Sturmklingeln an der Tür als rechtswidrige Attacke?

Mieterin kontert Räumungsklage mit absurden Vorwürfen an die Vermieterin

onlineurteile.de - Schon im Juli 2011 hatte die Vermieterin der Münchnerin gekündigt, weil sie fünf Monate lang die Miete nicht gezahlt hatte. Diesen Rückstand beglich die säumige Mieterin zwar, doch ab August zahlte sie wieder nichts mehr. Daraufhin kündigte die Vermieterin Ende Oktober den Mietvertrag ein zweites Mal. Da die Mieterin dies nicht akzeptierte und in der Wohnung blieb, erhob die Vermieterin Räumungsklage.

Frechheit siegt, dachte da wohl die Mieterin und konterte mit einer Widerklage: Der Mietrückstand sei mit einer Forderung auf 15.000 Euro Schadenersatz aufzurechnen, meinte sie. So viel Entschädigung stehe ihr zu, weil die Vermieterin beim Streit um die Miete in ihre Privatsphäre eingegriffen und dabei die Ausübung ihrer elterlichen Sorge beeinträchtigt habe.

Konkret: Die Tochter der Vermieterin habe im Juli erst eine Abmahnung, dann das Kündigungsschreiben persönlich abgegeben — und jedes Mal an der Wohnungstüre sturmgeklingelt. Dieser lautstarke Auftritt habe ihrer eigenen Tochter solche Angst gemacht, dass sie deshalb zu ihrem Vater gezogen sei. Sie habe den psychischen Druck, den die Vermieterin ausübte, nicht mehr ertragen. Nun vermisse sie ihr Kind und das beeinträchtige ihre psychische Gesundheit.

Das Amtsgericht München wies die hanebüchenen Vorwürfe zurück und verurteilte die Mieterin dazu, die Wohnung zu räumen (473 C 31187/11). Die fristlose Kündigung wegen Mietrückstands sei wirksam. Der Mieterin stehe dagegen kein Anspruch auf Schadenersatz zu.

Selbst wenn die Tochter der Vermieterin "Sturm geklingelt" haben sollte: Es verletze nicht die Privatsphäre des Wohnungsinhabers, vor der Haus- bzw. Wohnungstüre Schriftstücke zu übergeben. Obendrein habe die Vermieterin ein berechtigtes Interesse daran, diese wichtigen Schreiben persönlich abzugeben bzw. abgeben zu lassen. Sie sollten die Mieterin so bald wie möglich erreichen.

Wie diese Vorfälle mit dem elterlichen Sorgerecht der Mieterin zusammenhängen könnten, sei nicht ersichtlich. Wenn sich die 17-jährige Tochter entschieden habe, zum Vater zu ziehen, sei dies ihr Entschluss und könne nicht der Vermieterin angelastet werden. Dass dieser Umstand das seelische Wohlbefinden der Mutter beeinträchtige, sei verständlich, habe aber mit dem Mietrechtsstreit nichts zu tun. Dass "Sturmklingeln" psychischen Druck ausgeübt und das Mädchen zum Auszug bewegt haben könnte, nicht nachvollziehbar.