Sturz im Kinderclub

Allgemeine Geschäftsbedingungen eines Reiseveranstalters auf dem Prüfstand

onlineurteile.de - Eine Familie mit drei Kindern hatte Sommerurlaub in einer Clubanlage gebucht. Tagsüber brachten die Eltern die Kleinen im Kinderclub der Anlage unter, wo sie von Betreuern beaufsichtigt und beschäftigt wurden. Von den Betreuern unbemerkt, kletterte eines Tages die sieben Jahre alte Tochter der Urlauber auf dem Vorplatz des Kinderclubs auf eine Mauer. Diese war zum Garten hin nur ca. einen Meter hoch, fiel aber zur anderen Seite hin zwei Meter tief ab. Das Mädchen stürzte nach außen und erlitt einen komplizierten Ellenbogenbruch, der noch am Urlaubsort operiert wurde.

Die Mutter meldete den Unfall Anfang August beim Reiseleiter der Clubanlage. Zurück in Deutschland schaltete sie einen Anwalt ein, der schriftlich Ansprüche auf Schadenersatz geltend machte. Das Schreiben kam am 7. September beim Reiseveranstalter an. Der winkte jedoch ab und verwies auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): Alle Ansprüche gegen ihn müssten innerhalb eines Monats nach dem Ende der Reise angemeldet werden. Auch die Klage der Verletzten auf Schadenersatz wurde mit dieser Begründung abgewiesen.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) können Mutter und Tochter wieder Hoffnung schöpfen, dass die Klage jedenfalls nicht an Formalia scheitert (X ZR 25/03). Zum einen habe die Mutter die Monatsfrist nicht verpasst, so der BGH. Wenn ein Reiseteilnehmer dem Reiseleiter am Urlaubsort einen erheblichen Gesundheitsschaden mitteile, melde er damit zugleich Ansprüche an, auch wenn er (noch) nicht ausdrücklich Schadenersatz verlange. Der Urlauber dürfe darauf vertrauen, dass der Reiseleiter diese Mitteilung an den Reiseveranstalter weiterleite.

Zum anderen komme es hier auf die Monatsfrist gar nicht an: Denn es sei im konkreten Fall strittig, ob die Betreuer des Kinderclubs ihre Aufsichtspflicht verletzten. Hier gehe es also nicht um "übliche" Reisemängel, sondern um einen Anspruch, der wahrscheinlich auf eine Pflichtverletzung zurückzuführen sei. Derartige Ansprüche dürfe der Reiseveranstalter nicht per AGB-Klausel einschränken.

Ob am Urlaubsort tatsächlich Sicherungs- oder Aufsichtspflichten verletzt wurden, muss nun die Vorinstanz prüfen.