Taubenzüchter in der Wohnanlage

Dürfen Brieftauben frei herumfliegen?

onlineurteile.de - In einem Teil des Gartens der Wohnanlage, der ihm zur Sondernutzung zugewiesen war, hielt ein Wohnungseigentümer 20 Edeltauben in einer Voliere. Jeden Tag ließ er die Brieftauben eine Weile heraus und frei herumfliegen, ca. eine halbe Stunde. Darüber beschwerte sich der Eigentümer der Dachterrassenwohnung: Das ewige Gurren und Flattern sei nervtötend, die Tiere flögen dauernd über seine Loggia auf das Dach und beschmutzten die Terrasse mit Kot. Der Hobby-Taubenzüchter solle die Tiere gefälligst in der Voliere lassen.

Sein Verbotsantrag wurde jedoch vom Oberlandesgericht Frankfurt zurückgewiesen (20 W 87/03). Zum Begriff des Haustiers gehöre es nicht unbedingt, dass es stets im Käfig zu halten sei, so die Richter. Im Umfeld der Wohnanlage lebe eine starke Population von Wildvögeln. Gemessen an deren Geschnatter halte sich die Belästigung durch die Tauben sehr in Grenzen, zumal ihr Freiflug täglich nur bis zu 30 Minuten dauere.

Dass sich der Bewohner im Dachgeschoss vor Tauben ekle, reiche für ein Verbot nicht aus. Hier sei nicht das subjektive Empfinden des Gestörten entscheidend, sondern das Empfinden eines durchschnittlichen, verständigen Mitbewohners. Die Brieftauben würden medizinisch betreut und hygienisch einwandfrei gehalten. Und sie zählten auch nicht zu den Tieren (wie etwa Ratten oder giftige Reptilien), deren Gegenwart aus nachvollziehbaren Gründen allgemeines Unbehagen auslöse.