Tauziehen um Sprachreise

Eltern können sich über Teilnahme ihrer Kinder nicht einigen

onlineurteile.de - Nach der Scheidung der Eltern blieb der (1989 geborene) Sohn beim Vater, die (1990 geborene) Tochter bei der Mutter. Das Sorgerecht übten die Eltern gemeinsam aus. In den Osterferien 2003 sollten die Kinder zusammen eine Sprachreise nach Großbritannien unternehmen, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. An- und Abreise mit dem Flugzeug waren bereits gebucht.

Doch als sich die politische Lage im Frühjahr 2003 zuspitzte, bekam die Mutter Angst: Sie fürchtete, islamistische Gruppen könnten wegen des Irakkriegs in englischen Großstädten oder Flughäfen Anschläge verüben. Ein Flug sei momentan zu gefährlich, meinte sie, und wollte alles abblasen. Damit war allerdings der Vater der Kinder nicht einverstanden, der ihre Befürchtungen für überzogen hielt. Es entbrannte ein heftiger Streit um die Sprachreise - da sich die Eltern nicht einigen konnten, zogen sie schließlich vor Gericht.

Das Amtsgericht Heidenheim hatte Verständnis für die Bedenken der Mutter (2 F 271/03). Die Gefahr von Terroranschlägen sei nicht von der Hand zu weisen. England befinde sich im Krieg mit dem Irak und Saddam Hussein habe zum Heiligen Krieg aufgerufen. Die tägliche Information im Fernsehen über das Leid irakischer Zivilisten trage kaum dazu bei, gewaltbereite Islamisten zu beruhigen. Anschläge gegen kriegsbeteiligte Nationen seien daher durchaus möglich. Wenn die Mutter der Ansicht sei, die Kinder sollten unter diesen Umständen nicht nach nach England fliegen, sei das verständlich. Viele hätten Flüge storniert - noch mehr Reisende aber schätzten das Risiko als gering ein. Diese Entscheidung könne das Gericht den Eltern nicht abnehmen, erklärte der Amtsrichter. Sie müssten sie selbst treffen, und zwar jeder der Ex-Partner für das bei ihm lebende Kind.