Telefonwerbung für "Gelbe Seiten"

Ein Anruf bei Kunden ist kein unlauterer Wettbewerb

onlineurteile.de - Immer, wenn die "Gelben Seiten" neu aufgelegt werden, laufen die Drähte bei einer Tochterfirma der Deutschen Telekom AG heiß. Die Mitarbeiter überprüfen, ob die Einträge noch stimmen und fragen bei der Gelegenheit telefonisch nach, ob die Kunden Änderungen wollen (z.B. Zusatz-Anzeigen schalten, den Eintrag vergrößern oder aufpeppen - gegen Gebühr, versteht sich).

Diese Art von Werbung verärgerte ein Konkurrenzunternehmen, das selbst ein Branchenfernsprechbuch herausgibt: Leute unaufgefordert anzurufen, störe diese bei der Arbeit und stelle eine wettbewerbswidrige Belästigung dar. "Datenpflege" sei ohnehin besser schriftlich zu erledigen. Dieser Meinung war auch das Oberlandesgericht. Es forderte die Telekom-Tochter auf, die Telefonwerbung zu unterlassen.

Der Bundesgerichtshof sah das anders (I ZR 87/02). Dass der Daten-Check genausogut oder besser schriftlich gemacht werden könnte, sei zwar richtig. Deshalb sei das Vorgehen aber noch nicht wettbewerbswidrig. Denn hier liege die Vermutung nahe, dass die Angesprochenen mit dem Anruf einverstanden seien. Schließlich seien sie bereits Kunden der Telekom AG. Durch den kostenlosen Standardeintrag bestehe bereits eine Geschäftsbeziehung und daran knüpfe das Unternehmen mit der Telefonwerbung an. Den Eintrag im Telefonbuch optimal zu gestalten, liege ja durchaus im Interesse der Kunden. Auch halte sich die Belästigung in Grenzen: Denn es handle sich ausschließlich um Gewerbekunden, die während der Geschäftszeiten jederzeit mit Anrufen rechneten.