Tennisschüler fällt über Tennisball

Knieverletzung: Beim Üben dürfen keine Bälle im Laufweg des Schülers liegen

onlineurteile.de - Der 42-jährige Anfänger P nahm erst die vierte oder fünfte Tennisstunde beim erfahrenen Tennislehrer A. In Einzelstunden haben Trainer meist einen großen Korb mit Tennisbällen dabei und spielen sie den Schülern zu. So übten auch Trainer A und Schüler P, auf dessen Seite des Spielfeldes die Bälle kreuz und quer herumlagen.

Nach etwa 45 Minuten Training versuchte P, einen Ball zu erwischen, der ziemlich steil von oben kam. Er lief ein, zwei Schritte rückwärts und trat — man ahnt es bereits — auf einen Tennisball. P stürzte und verletzte sich schwer am linken Kniegelenk, das operiert werden musste. Obwohl der Unfall inzwischen fünf Jahre zurückliegt, tut ihm das Laufen und Treppensteigen immer noch weh.

P forderte 4.500 Euro Schmerzensgeld vom Trainer: Angesichts der Gefahr durch die vielen Bälle am Boden hätte er die Übungen am Netz nicht fortsetzen dürfen. Das Landgericht Bremen wies die Klage des Tennisschülers mit der Begründung ab, es sei für einen Trainer unzumutbar, ständig Bälle vom Spielfeld zu entfernen. Außerdem wäre so kein normales Training möglich.

Dagegen sprach das Oberlandesgericht (OLG) Bremen P den geforderten Betrag zu, nachdem es einen Bundestrainer beim Deutschen Tennisbund befragt hatte (1 U 13/12). Laut Tennis-Lehrplan dürften beim Training am Netz keine Bälle im Bewegungsradius bzw. in den Laufwegen der Schüler herumliegen, so das OLG, sonst drohten Verletzungen. Schüler und Trainer müssten Übungsbälle regelmäßig aus dem Spielfeld kicken oder wegrollen.

Darauf sei bei allen Übungsformen zu achten, vor allem hinter oder neben dem Schüler dürften keine Bälle liegen bleiben. Wenn das doch passiere, müsse der Trainer den Ballwechsel unterbrechen oder den Schüler beim Zuspiel deutlich warnen, z.B. durch den Ruf "Stopp Ball". Generell hätte A seinen Schützling P anweisen müssen, kontinuierlich Bälle zu entfernen. Das sei während des Trainings nicht nur zumutbar, sondern notwendig.

Da Trainer A diese Sicherheitsvorschriften des Tennis-Lehrplans nicht eingehalten habe, müsse er den Ex-Schüler für die Unfallfolgen entschädigen. Auch wenn P ein gewisses Mitverschulden treffe, weil sich selbst nicht um die Bälle gekümmert habe: Als Anfänger im Tennissport wisse er natürlich nicht so genau wie der erfahrene Trainer, was für ein hohes Risiko damit verbunden sei.