Termin beim Zahnarzt platzen lassen

Kann der Zahnarzt Ersatz für das entgangene Honorar fordern?

onlineurteile.de - Beim Zahnarzt hatte die Patientin eine Vereinbarung unterschrieben. Die Praxis werde nach dem Bestellsystem geführt, stand darin. "Das bedeutet, dass die vereinbarte Zeit ausschließlich für Sie reserviert ist", es fallen keine Wartezeiten an. Termine seien daher mindestens 48 Stunden vorher abzusagen, andernfalls werde Zeit in Rechnung gestellt. Die gesetzliche Krankenkasse der Patientin hatte den Heil- und Kostenplan für Zahnersatz genehmigt.

Den ersten Termin sagte die Patientin rechtzeitig ab und bat um Bedenkzeit. Den zweiten Termin wollte sie einen Tag vorher stornieren, weil ihr Kind krank war. Der Zahnarzt bot ihr an, das Kind mitzubringen oder eine Zahnarzthelferin in der Zeit zu ihr nach Hause zu schicken. Das akzeptierte die Frau, erschien jedoch am nächsten Tag nicht in der Praxis. Auf schriftliche Nachfragen reagierte sie nicht. Daraufhin kündigte der Zahnarzt den Behandlungsvertrag und forderte von der wankelmütigen Patientin das Honorar (1.443 Euro), das er durch die Behandlung in der reservierten Zeit verdient hätte.

Terminabsprachen mit Ärzten stellten nur die reibungslose Organisation der Praxis sicher, erklärte das Amtsgericht Nettetal. Im Prinzip begründeten sie bei einem Ausfall keinen Anspruch auf Schadenersatz (17 C 71/03). Doch hier liege der Fall anders. Die Patientin habe gewusst, dass der Zahnarzt Termine exklusiv an Patienten vergab und dass er deshalb bei kurzfristigen Absagen kaum Ersatz fand. Und die Patientin habe sich ausdrücklich (per Behandlungsvereinbarung) damit einverstanden erklärt, das dem Arzt entgangene Honorar zu tragen, wenn sie einen Behandlungstermin unentschuldigt versäumte.

Daran müsse sich die Frau festhalten lassen. Mit seinem Angebot, das Kind während der Behandlung betreuen zu lassen, habe der Zahnarzt wirklich alles Zumutbare getan, um den vereinbarten Termin zu "retten". Dass die Patientin anschließend nicht mehr auf Nachfragen reagierte, spreche dafür, dass sie die Zahnersatzbehandlung, obwohl erst zugesagt, doch nicht mehr wünschte.