Testamentsnachweis ohne Urkunde?

Originalschriftstück war nicht auffindbar ...

onlineurteile.de - Geht ein Testament verloren oder wird ohne Wissen des Erblassers vernichtet, gibt es für potenzielle Erben noch einen Hoffnungsschimmer: Sie können den Inhalt des Testaments durch die Aussage von Zeugen oder durch andere Urkunden beweisen. Einen solchen Versuch unternahm ein Mann nach dem Tod einer Bekannten. Er behauptete, die Verstorbene habe ihn per Testament als Erben eingesetzt - das Schriftstück war allerdings nirgends aufzufinden.

Der Mann berief sich auf einen Testamentsentwurf der Frau. Sie habe ihm versprochen, das Testament genauso abzufassen. Das Nachlassgericht vernahm Zeugen, verweigerte dann aber den beantragten Erbschein. Das Bayerische Oberste Landesgericht bestätigte diese Entscheidung (1Z BR 13/04). Keiner der vernommenen Zeugen habe von der Verstorbenen etwas darüber gehört, dass sie den Entwurf tatsächlich in ein handschriftliches Testament zu Gunsten des Antragstellers umgesetzt hatte. Daher sei die Existenz der Urkunde nicht bewiesen.

Die Formvorschriften für Testamente seien streng: Der Erblasser solle seinen Willen möglichst klar zum Ausdruck bringen. Bei dem Schriftstück dürfe es sich nicht nur um Vorüberlegungen und Entwürfe handeln. Handschriftlich müsse es verfasst sein; das mache Fälschungen schwieriger und vermeide Streitigkeiten über den Inhalt von Testamenten. Ebenso streng müsse man vorgehen, wenn eine Testamentsurkunde nicht auffindbar sei. Existenz und Inhalt des Testaments müssten zweifelsfrei bewiesen sein, nur dann sei es auch ohne Originalurkunde wirksam.