Teure R-Gespräche am Münzfernsprecher

Telefongesellschaft kann die Rechnung nicht eintreiben

onlineurteile.de - Im Gebäude einer sozialen Einrichtung ("Villa Wagner" - Erziehungshilfe für Jugendliche) richtete eine Telefongesellschaft einen Münzfernsprecher ein. Mit dem Gerät konnte man besondere Dienstleistungen der Telefongesellschaft nutzen, unter anderem auch R-Gespräche führen (d.h. Gespräche, für die nicht der Anrufer, sondern der Angerufene zahlt). Personen, die von außen den Münzfernsprecher anriefen, konnten durch die Eingabe einer bestimmten Vorwahlnummer dafür sorgen, dass die Gebühren dem Anschlussinhaber berechnet werden.

Üblicherweise schaltet sich bei R-Gesprächen ein Operator dazwischen, ein Mitarbeiter der Telefongesellschaft, der die angerufene Person fragt, ob sie die Kosten übernehmen möchte. Im konkreten Fall lief das aber automatisch ab und diesem "Angebot" konnten die Jugendlichen nicht widerstehen. Sie ließen sich anrufen und telefonierten eifrig auf Kosten des Hauses, bis der Träger der Erziehungshilfe den Fernsprecher für R-Gespräche sperren ließ. Danach musste sich die "Villa Wagner" mit der Telefongesellschaft auseinandersetzen, die 654 Euro Telefongebühren verlangte.

Münzfernsprecher seien normalerweise für den Operator durch einen "Kuckuckston" erkennbar, argumentierte der Leiter der "Villa Wagner". Bei automatisch angenommenen R-Gesprächen könne die Telefongesellschaft nicht davon ausgehen, dass sie mit dem Einverständnis des Anschlussinhabers geführt würden. So sah es auch das Amtsgericht München und wies die Klage des Unternehmens ab (213 C 19481/04).

Wenn sie keinen Operator einsetze, gehe das zu Lasten der Telefongesellschaft, entschied der Amtsrichter. Ihr automatisiertes System erkenne die Kuckuckstöne und damit die Münzfernsprecher nicht. Trotzdem vermittle die Telefongesellschaft R-Gespräche. Das so entstehende Risiko unerwünschter R-Gespräche dürfe sie nicht auf die Telefonkunden abwälzen.