Tochter vernachlässigt die Ausbildung

Volljähriges Kind verliert den Anspruch auf Unterhalt vom Vater

onlineurteile.de - Bei seiner Scheidung hatte sich ein Mann verpflichtet, für die Tochter monatlich 600 DM Unterhalt zu zahlen. Von dieser Unterhaltspflicht wollte er nach ein paar Jahren loskommen. Begründung: Seine Tochter sei inzwischen volljährig, habe eine Ausbildung angefangen, diese dann aber abgebrochen. Seitdem kümmere sie sich nicht ernsthaft um eine neue Ausbildungsstelle. Deshalb fände er es angemessen, wenn sie jetzt arbeiten und ihren Unterhalt selbst verdienen würde.

Das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg gab dem Vater Recht (142 F 6501/95). Der unterhaltspflichtige Vater müsse seiner volljährigen Tochter eine angemessene Berufsausbildung ermöglichen. Dies habe der Vater auch zunächst getan. Die Tochter habe allerdings die Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte abgebrochen und sich anschließend nicht ernsthaft um eine Alternative bemüht. Zwar habe ihr das Arbeitsamt mehrere Stellen angeboten. Sie habe aber keine angenommen, weil ihr angeblich andere Berufe vorschwebten.

Von gesunden volljährigen Kindern, die keine angemessene Berufsausbildung absolvierten, könne man verlangen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es seien auch Arbeiten "unterhalb der gewohnten Lebensstellung" zumutbar. Dass das Mädchen fünf Tage die Woche für je eineinhalb Stunden als Putzkraft tätig sei, reiche nicht aus. Der Vater müsse daher keinen Unterhalt mehr zahlen.