Tod durch Krankenhauskeime

Die Klinik haftet für eine Infektion nur, wenn sie die Keimübertragung hätte verhindern können

onlineurteile.de - Im Herbst 2006 war ein 67-jähriger Patient, der schon lange an Diabetes litt, wegen Nierenproblemen im Krankenhaus behandelt worden. In der Klinik infizierte sich der Mann mit einem Bakterium, das auf kein Antibiotikum mehr anspricht (ein "multiresistenter" Stamm des Keims Staphylococcus aureus (MRSA)). Die Infektion führte zum Totalausfall mehrerer Organe und zum Tod des Patienten.

Seine Witwe forderte von der Klinik Schmerzensgeld: Ihrer Ansicht nach war der Ehemann zu spät isoliert worden. Da er durch Vorerkrankungen geschwächt gewesen sei, hätte man ihn außerdem über das Risiko einer Infektion gründlicher informieren müssen.

Das Oberlandesgericht Naumburg wies die Klage der Witwe ab (1 U 119/11). Ursache der Infektion und ihres tödlichen Verlaufs seien keine Versäumnisse bei der Behandlung oder bei der Hygiene im Krankenhaus gewesen, urteilte das Gericht — gestützt auf ein medizinisches Gutachten. Die Infektion mit einem multiresistenten Keim begründe für sich allein weder eine Haftung der Klinik, noch belege sie einen mangelhaften Standard bei der Hygiene. Niemand könne Patienten absoluten Schutz vor Infektionen bieten.

Das Krankenhaus sei nicht verpflichtet, Kranke nach der Einlieferung zu isolieren. Das sei nur bei Patienten angebracht, die (z.B. wegen Immunschwäche oder Brandverletzungen) hochgradig infektanfällig seien. Das treffe bei Diabetes-Patienten im Allgemeinen nicht zu und sei auch beim Verstorbenen zunächst nicht notwendig gewesen, wie der Sachverständige erläutert habe.

Richtlinien und Praxis der Hygiene entsprächen in der Klinik dem gültigen Standard: Eine Infektion mit multiresistenten Keimen sei selbst bei bester Hygiene nie auszuschließen. MRSA komme fast in allen Krankenhäusern vor. Und wie häufig gebe es auch im konkreten Fall für den Keim keine identifizierbare Quelle. Eine Haftung käme aber nur in Frage, wenn feststünde, dass die Infektion einem Bereich zuzuordnen sei, den die Klinik "im Griff haben müsste".

Dass in einem Krankenhaus das Risiko bestehe, sich mit Keimen zu infizieren. und dass dieses Risiko mit Wunden oder Vorerkrankungen steige, sei allgemein bekannt. Darüber müsse die Klinik Patienten nicht eigens aufklären — außer, gerade der geplante Eingriff erhöhe das Risiko für den Patienten.

Eine MRSA-Infektion stelle jedoch kein spezielles Risiko dar, das einer bestimmten Operation/Behandlung zuzuordnen wäre. Vielmehr handle es sich dabei um ein generelles Problem von Resistenzen gegen Antibiotika.