Tödlicher Autounfall mit 0,84 Promille

Bei einem alkoholgewöhnten und müden Fahrer ist so ein Unfall nicht sicher "alkoholbedingt"

onlineurteile.de - Ohne erkennbaren Grund kam ein Autofahrer auf der Autobahn von der Fahrbahn ab. Es war ein schöner Sommernachmittag, die Strecke verlief schnurgerade. Der Mann fuhr etwa 65 Meter geradeaus, bis sein Wagen an einen Baum stieß. Er war sofort tot. Die Polizeibeamten fanden auf dem Beifahrersitz sechs leere 0,5 l Bierdosen; eine Blutprobe ergab eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,84 Promille. Für die Unfallversicherung des Mannes war die Sache damit klar: Sie weigerte sich, der Witwe die Versicherungssumme für den Todesfall (19.000 Mark) auszuzahlen, weil der Versicherungsnehmer in Folge einer "alkoholbedingten Bewusstseinsstörung" verunglückt sei.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf fand die Sache nicht so eindeutig (4 U 114/02). Dass die Reaktionsfähigkeit des Versicherungsnehmers alkoholbedingt so gelitten habe, dass er dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen war, stehe keineswegs fest. Der Mann sei seit langem alkoholkrank gewesen und habe sehr viel vertragen. Dass er schon bei einer BAK von 0,84 Promille spürbare Ausfallerscheinungen zeigte, sei eher unwahrscheinlich - jedenfalls nicht sicher.

Ebenso möglich sei es, dass der Verstorbene übermüdet gewesen sei. Zumindest habe seine Frau ausgesagt, er habe in den Nächten vor dem Unfall kaum geschlafen. Dieser Zweifel wirke sich zu Lasten des Versicherers aus: Denn der Versicherer müsse nachweisen, dass der Versicherungsnehmer wegen seines Alkoholkonsums verunglückt sei. Nur wenn es ihm gelinge, jeden Zweifel daran auszuräumen, dürfe er der Witwe das Geld vorenthalten.