Tödlicher Irrtum im Hotel

Ausländischer Mitarbeiter hält nachts heimkehrende Gäste für Eindringlinge — und sticht zu!

onlineurteile.de - Im Dezember 2005 übernachteten zwei Geschäftsleute in einem Hotel in Ochtrup. Da sie eine Weihnachtsfeier besuchen wollten und wussten, es würde spät werden, ließen sie sich vom Hotelier einen Schlüssel für den Hoteleingang geben. Nach dem feucht-fröhlichen Abend kamen die Hotelgäste zurück und fingerten in angetrunkenem Zustand ungeschickt mit dem Schlüssel an der Türe herum.

Da fühlte sich ein Hotelmitarbeiter, der gerade am Putzen war, zur Verteidigung des Hauses aufgerufen: Er hielt die beiden Männer für Eindringlinge. Weil der Putzmann kein Deutsch sprach, konnten die Gäste das Missverständnis nicht ausräumen. Der Hotelangestellte wollte sie unter allen Umständen daran hindern, das Hotel zu betreten — schließlich zog er ein Messer. Einen Hotelgast tötete er, den anderen verletzte er mit Messerstichen.

Der überlebende Gast forderte von den Inhabern des Hotels Schmerzensgeld. Die wiesen jede Schuld von sich: Ihnen sei doch nicht die vorsätzliche Gewalttat einer Reinigungskraft zuzurechnen!

Dem widersprach das Oberlandesgericht Hamm (I-30 U 80/11). Beide Hoteliers hätten gewusst, dass die Hotelgäste spät von einer Feier zurückkommen würden. Darüber hätten sie den Mitarbeiter informieren müssen. Dass die Hotelinhaber so einen Hinweis unterließen, habe zu dem Irrtum des Putzmannes und damit zu der Konfrontation geführt, die schließlich mit der gewaltsamen Attacke endete.

Dass es zur Konfrontation kommen könnte, hätten die Arbeitgeber voraussehen können. Schließlich hätten sie gewusst, dass ihr Mitarbeiter kein Deutsch sprach und sich mit den Gästen nicht würde verständigen können. Da sie sich darum nicht "scherten" und damit ihre Pflicht gegenüber den Hotelgästen verletzten, müssten sie dem Verletzten 6.500 Euro Schmerzensgeld zahlen.