Tödlicher Sturz vom Balkon

Reiseveranstalter haftet für zu niedrige Balkonbrüstung seines Vertragshotels

onlineurteile.de - Ein deutsches Ehepaar verbrachte seinen Urlaub in der Türkei. Flug und Hotel hatten die Urlauber bei einem Reiseveranstalter gebucht. Sie wohnten in einem Zimmer mit Balkon im dritten Stock. Nach einem Abend in der Hotelbar legte sich die Ehefrau schlafen, während ihr Mann auf den Balkon ging, um noch eine Zigarette zu rauchen. Etwas später wachte die Frau von einem lauten Krach auf - und entdeckte voller Entsetzen, dass ihr Mann vom Balkon gestürzt war. Er starb noch am Unfallort.

Das Balkongeländer sei mit 56 Zentimetern so niedrig, dass dies einen Sicherheitsmangel darstelle, warf die Witwe dem Reiseveranstalter vor. Sie forderte Schadenersatz. Der Reiseveranstalter sah dafür keinerlei Anlass: Die Hotelanlage entspreche allen im Urlaubsland geltenden Vorschriften. Im Übrigen sei der Urlauber nur abgestürzt, weil er zu viel Alkohol getrunken habe.

Diese Argumente ließ das Oberlandesgericht Köln jedoch nicht gelten (16 U 40/06). Dass Reisende im Urlaub Alkohol konsumierten, sei gang und gäbe, erklärten die Richter: Dafür seien Einrichtungen wie Hotelbars schließlich da. Also müsse man auch mit Gleichgewichtsstörungen rechnen. Balkone dürften für angetrunkene Gäste kein Risiko darstellen.

Reiseveranstalter müssten Vertragshotels sorgfältig auswählen und deren Sicherheitsstandard überprüfen. Das sei offenbar nicht geschehen. Ansonsten hätte sich dem Veranstalter die Erkenntnis geradezu aufdrängen müssen, dass auf den Balkonen die Absturzgefahr extrem hoch sei. Das sei ein Sicherheitsmangel - unabhängig davon, was die türkischen Bauvorschriften besagten. Der Reiseveranstalter müsse sich davon überzeugen, dass seine Kunden im Vertragshotel sicher seien.