Tödlicher Unfall an der Wasserrutsche

Haftet der Reiseveranstalter für eine Hotel-Schwimmanlage, die im Katalog nicht erwähnt ist?

onlineurteile.de - Ein griechischer Hotelier erweiterte seine Freizeitanlagen um ein Schwimmbad mit Wasserrutsche. Der Schwarzbau war von den Behörden nicht genehmigt und wurde einem deutschen Jungen zum Verhängnis, der dort mit Eltern und zwei Brüdern den Sommerurlaub verbrachte. Mit einem Arm geriet das Kind in ein offenes Ansaugrohr neben der Rutsche, durch das Wasser aus dem Becken angesaugt und die Rutsche hinauf gepumpt wurde. Der Junge konnte sich nicht mehr befreien und ertrank trotz verzweifelter Versuche seiner Brüder, ihn herauszuziehen. Seither leiden alle Familienmitglieder an schweren Depressionen.

Die Versicherung des Reiseveranstalters, bei dem die Familie den Hotelaufenthalt in Chalkidiki gebucht hatte, zahlte 30.000 DM Schadenersatz. Vor Gericht erstritt die Familie beim Landgericht Köln weitere 80.000 Euro Entschädigung (8 O 264/04). Vergeblich berief sich das Unternehmen darauf, dass die Wasserrutsche nicht zu seinem Angebot gehöre. Sie sei im Katalog nicht einmal erwähnt.

Die Schwimmanlage sei "integraler und wesentlicher Bestandteil des Hotelkomplexes", hielten die Richter dagegen. Sie liege inmitten anderer Sportanlagen und stelle gerade für Kinder eine besondere Attraktion dar. Auch wenn sie nicht im Katalog stehe, müsse der Reiseveranstalter davon ausgehen, dass sie von seinen Kunden und ihren Kindern benutzt wird.

Ein Reiseveranstalter sei für die Sicherheitsstandards der Einrichtungen in seinen Hotels verantwortlich und müsse diese regelmäßig kontrollieren. Dass Ansaugrohre in einem Schwimmbecken durch Abdeckgitter gesichert werden müssten, verstehe sich eigentlich von selbst. Offenbar habe sich der Reiseveranstalter nicht einmal danach erkundigt, ob die Anlage von den Behörden abgenommen wurde. Hotelgäste dürften aus Sicherheitsgründen prinzipiell keine Schwarzbauten benutzen.