Tödlicher Unfall beim "Schnupperflug"

Pilot haftet nur, wenn "Beförderung" beim Flug im Vordergrund stand

onlineurteile.de - Ein Fliegerverein bot während eines "Tages der offenen Tür" Besuchern "Schnupperflüge" an, um das Fliegen in Ultraleichtflugzeugen kennenzulernen. Ein passionierter Drachenflieger, der bereits erwog, eine Pilotenausbildung für solche Flugzeuge zu beginnen, nahm die Gelegenheit wahr. Das wurde ihm zum Verhängnis, denn das Flugzeug stürzte ab - er und der Pilot kamen ums Leben. Das Oberlandesgericht (OLG) Celle entschied, dass die Erben des Flugzeugführers der Familie des Mitfliegers Schadenersatz schuldeten (14 U 48/03, vgl. gri-Artikel Nr. 46 744). Der Pilot hafte für den Schaden, weil der Mitflieger ein Fluggast gewesen sei.

Dem widersprach der Bundesgerichtshof und hob das Urteil des OLG auf (VI ZR 356/03). Ob der Flugzeugführer (gemäß den Bestimmungen des Luftverkehrsgesetzes) für den Unfall und dessen Folgen hafte, hänge davon ab, ob hier ein Beförderungsvertrag vorlag, erklärten die Bundesrichter. Wenn sich ein Fluggast dem Piloten anvertraue, um sich als Passagier befördern zu lassen, begebe er sich voll und ganz in dessen Obhut. Ereigne sich während der Beförderung ein Unfall, hafte deshalb der Pilot, weil von seiner alleinigen Verantwortung für den Flug auszugehen sei.

Anders lägen die Dinge beim Flugsport, denn ein Flugschüler gehe bewusst ein Risiko ein. Und so ähnlich lägen die Dinge hier, auch wenn der Verunglückte noch keinen Vertrag mit der Flugschule unterschrieben hatte. Er habe sich für die technische Seite der Luftfahrt interessiert und ungeachtet des Risikos Flugeigenschaften und Bedienung des Ultraleichtflugzeugs kennen lernen wollen. Der Familienvater sei nicht mitgeflogen, um sich befördern zu lassen oder die Landschaft von oben zu betrachten, sondern um eine luftsportliche Erfahrung zu machen und sich danach für oder gegen die Ausbildung zu entscheiden. Da somit der sportliche Aspekt im Vordergrund stand, mit dem Flugzeugführer kein Beförderungsvertrag geschlossen worden.