"Toter Raum" hinter dem Linienbus

Beim Vorbeifahren an Haltestellen: Abstand, langsames Tempo und Vorsicht!

onlineurteile.de - Hinter einem haltenden Linienbus wollte ein Mädchen über die Straße laufen. Auf der Gegenfahrbahn näherte sich mit etwa 50 km/h ein Auto. Ziemlich nah fuhr der Autofahrer am Bus vorbei - und überfuhr das achtjährige Kind, das schwer verletzt wurde. Die Krankenversicherung der Eltern kam für die Krankenhauskosten auf (über 100.000 DM) und forderte anschließend das Geld vom Autofahrer bzw. dessen Haftpflichtversicherung.

Wenn ein Bus anhalte, entstehe immer eine gefährliche Situation, fand das Oberlandesgericht Köln (3 U 166/01). Mit einer größeren Zahl von drängelnden und/oder ausweichenden Fußgängern sei zu rechnen, zugleich versperre der Bus den Autofahrern die Sicht: Hinter Bussen liege quasi eine Art "toter Raum". Deshalb müssten Autofahrer zum Bus so viel Abstand wie möglich halten - mindestens zwei Meter. Wenn das unmöglich sei, müssten sie langsam fahren, um jederzeit anhalten zu können. Je geringer der Abstand zum Bus sei, umso langsamer müsse der Autofahrer vorbeifahren, notfalls im Schritttempo.

Da im konkreten Fall der Autofahrer keine einzige dieser Vorsichtsmaßregeln eingehalten hatte, musste sein Haftpflichtversicherer 70 Prozent des Schadens begleichen. 30 Prozent wurden abgezogen, weil das Mädchen auf die Straße gerannt war, ohne sich umzusehen. Das Mitverschulden wurde so gering angesetzt, weil Achtjährige noch nicht in der Lage sind, sich verkehrsgerecht zu verhalten.