Über kokelndem Grill geparkt!

Fahrzeug ausgebrannt: Schadenersatz für das zufällig daneben abgestellte, mit abgefackelte Auto?

onlineurteile.de - Soll man es für möglich halten, dass ein Autofahrer seinen Wagen über einem kokelnden Holzkohlegrill abstellt? Nun, Amtsgericht und Landgericht Saarbrücken waren da aufgrund eines Brandgutachtens sogar ziemlich sicher, wollten allerdings auch einen technischen Defekt im Wagen nicht ganz ausschließen. Aber der Reihe nach:

Herr A parkte an einem Sommerabend 2017 seinen Toyota Avensis auf dem Gelände eines Fußballplatzes. Was er nicht bemerkte: Der Wagen, neben dem er den Toyota abgestellt hatte, stand seit einigen Minuten über einem Einweggrill mit noch glühenden Holzkohlen. Den Grill hatte B, der Besitzer des Wagens, übersehen oder ignoriert. Kurz darauf ging der Wagen in Flammen auf, schnell sprangen sie auf den Toyota über. Beide Autos brannten vollkommen aus.

A verklagte Herrn B und dessen Kfz-Haftpflichtversicherung auf Schadenersatz. Vor Gericht ging es im Wesentlichen um die Frage, ob der Toyota beim Betrieb eines Kraftfahrzeugs beschädigt wurde. Nur unter dieser Bedingung muss die Kfz-Versicherung für den Schaden haften.

Das Amtsgericht beantwortete die Frage mit "Nein": Dass der Brand von einem technischen Defekt im Wagen ausgelöst wurde, sei unwahrscheinlich. Nach dem Brandgutachten sei das Feuer wohl auf die glühende Holzkohle zurückzuführen. Das könne man aber nicht dem Betrieb des Fahrzeugs von B zurechnen.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts legte A Berufung ein und bekam vom Landgericht Saarbrücken Recht (13 S 177/19). Der Begriff "Betrieb" sei weit auszulegen. Die Bedingung "beschädigt beim Betrieb eines Kraftfahrzeugs" sei schon erfüllt, wenn die Schadensursache "örtlich und zeitlich nah" mit einem Betriebsvorgang zusammenhänge. Das treffe zu und zwar auch dann, wenn das Feuer nicht von einem technischen Defekt des Fahrzeugs ausgegangen sei — wofür hier vieles spreche.

Autobesitzer B habe, indem er seinen Wagen über dem heißen Einweggrill abstellte, eine Gefahrenlage geschaffen, die direkt zur Entzündung des Wagens führte. Der Brandschaden an beiden Autos sei eine Folge dieser Gefahrenlage. Auch der Schaden von Autobesitzer A sei durch den Betrieb des versicherten Fahrzeugs von B entstanden, nämlich durch das Parken. Die Kfz-Haftpflichtversicherung von B müsse den Verlust ersetzen.