Überschwemmung nach "Jahrhundertregen"

Baumschule macht die Feuerwehr für Schaden an Obstbaumkulturen verantwortlich

onlineurteile.de - Am 1. Mai 2004 prasselte im Raum Dülmen-Hiddingsel in Nordrhein-Westfalen ein außergewöhnlich heftiger Regen nieder, ein so genannter Jahrhundertregen. Danach drohte die Schmutzwasserkanalisation viele Keller in Einfamilienhäusern zu überfluten. Um das zu verhindern, pumpten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wasser aus dem Schmutzwasserkanal ab und leiteten es in einen Straßenseitengraben um.

Dafür wären sie bestimmt gelobt worden, läge nicht neben dem Graben das Grundstück einer Baumschule. Dieses Grundstück wurde ebenfalls überschwemmt und die Mutterbeetkulturen für Obstbäume zerstört. Die Baumschule bezifferte den Schaden auf 500.000 Euro und gab der Feuerwehr die Schuld. Ihre Schadenersatzklage gegen die Feuerwehr scheiterte jedoch beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm (11 U 129/08).

Zweifellos hätte die Feuerwehr erst prüfen müssen, ob durch das Umleiten des Schmutzwassers in den Graben nicht zusätzliche Überschwemmungsschäden entstehen könnten, so das OLG. Das hätten die Einsatzkräfte wohl versäumt. Aber es sei ungewiss - so das Ergebnis eines Sachverständigengutachtens -, ob dieses Fehlverhalten überhaupt ursächlich gewesen sei für den Schaden.

Denn die überschwemmten Flächen lägen in einer Senke und seien vom Starkregen besonders getroffen worden. Also müsse man annehmen, dass die Baumkulturen selbst dann abgestorben wären, wenn die Feuerwehr kein Wasser in den Seitengraben eingeleitet hätte. Sie müsse deshalb für den Schaden nicht geradestehen.