Übles Foul beim Eishockey

Berufsunfähiger Profi: Schadenersatz müsste der Übeltäter nur bei absichtlicher Körperverletzung zahlen

onlineurteile.de - Es geschah im November 2008 bei einem Spiel der 2. Eishockey-Bundesliga. Verteidiger X versuchte, einen Angriff des gegnerischen Stürmers Y zu verhindern. Der Schläger von X brach, er warf ihn weg und checkte den Stürmer regelwidrig mit dem Körper von hinten. Mit Wucht stieß er Y in Richtung Bande, um ihn abzudrängen. Bei dem Aufprall verletzte sich Y erheblich an der linken Schulter. Er musste zwei Mal operiert werden und konnte anschließend nicht mehr spielen.

Die Berufsgenossenschaft, Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung, hat den "Bodycheck" als Arbeitsunfall anerkannt. Sie finanzierte Y die Reha-Klinik und eine Umschulung. Darüber hinaus forderte der berufsunfähige Eishockey-Profi von Übeltäter X 10.000 Euro Schmerzensgeld — allerdings ohne Erfolg.

Die Verletzung von Y hänge direkt mit seiner versicherten Tätigkeit als Eishockey-Profi zusammen, sei daher als Arbeitsunfall anzusehen, urteilte das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe (4 U 256/11). In der gesetzlichen Unfallversicherung sei die Haftung unter Arbeitskollegen auf Fälle absichtlicher Körperverletzung beschränkt: Wenn ein Arbeitnehmer einen anderen verletze, sei ein privater, zivilrechtlicher Anspruch auf Schmerzensgeld ausgeschlossen (außer eben bei Vorsatz).

Zweck dieser Regelung im Sozialgesetzbuch sei es, Prozesse zwischen Arbeitnehmern zu vermeiden. Sie gelte auch, wenn sich Mitarbeiter verschiedener Betriebe auf einer "gemeinsamen Betriebsstätte" untereinander verletzten. Diese Prinzipien seien auch auf Berufssportler anzuwenden, so das OLG. Prozesse zwischen Spielern gegnerischer Vereine könnten den sportlichen Wettbewerb künftig beeinträchtigen.

Obwohl die Spieler gegeneinander antraten, sei dies als Berufstätigkeit auf einer "gemeinsamen Betriebsstätte" zu bewerten. Die Mannschaften spielten nach gemeinsamen Spielregeln in einem Wettkampf, der nur miteinander möglich sei. Alle Spieler seien in gleicher Weise den Risiken des Spiels ausgesetzt. Wer sich dabei verletze, sei durch die Berufsgenossenschaft abgesichert.

Anspruch auf Schmerzensgeld von X hätte der Ex-Spieler Y nur, wenn X ihn absichtlich verletzt hätte. Das treffe jedoch nicht zu. Die Attacke sei aus dem Spielzug heraus erfolgt, X habe Y weder grundlos, noch überraschend angegriffen. Auch ohne Schläger habe er Y angreifen dürfen, um den Puck abzudrängen. Zwar habe X die Attacke dann regelwidrig ausgeführt, weil er Y im Eifer des Gefechts geschubst und vor der Bande zu Fall gebracht habe. Eine vorsätzliche Körperverletzung sei das aber nicht gewesen.