Unerfahrene Reitschülerin allein im Gelände

Reitlehrerin haftet für die Unfallfolgen, wenn das Pferd durchgeht

onlineurteile.de - Die 13-jährige J nahm hin und wieder Reitstunden, konnte noch nicht gut reiten. Die Eltern vertrauten darauf, dass die Reitlehrerin wisse, was man J zumuten könne. Einmal war das Mädchen schon ohne Lehrerin, nur mit einer Freundin ausgeritten. Am Unglückstag wurde J von der Reitlehrerin allein mit einem Pony weggeschickt. Ohne Grund ging das Tier mitten im Wald durch.

J brachte das Pferd gerade so eben zum Halten, stieg ab und griff an den Zügel, damit es nicht auf die Straße lief. Das verstörte Tier riss sich los. J hielt Zügel und Steigbügel fest und wurde mitgeschleift. Dabei trat ihr das Pony mit einem Hinterfuß ins Gesicht. Das Mädchen musste in einer Klinik behandelt werden und wegen einer dauerhaften Verletzung der Lippen ihr geliebtes Hobby, das Spielen auf der Querflöte, aufgeben.

Von der Reitlehrerin verlangte J Schmerzensgeld: 12.000 Euro sprach ihr das Oberlandesgericht Karlsruhe zu (9 U 75/07). J hätte gar nicht absteigen, sondern im Schritt weiter reiten sollen, hatte ein Sachverständiger während des Prozesses erklärt. Und wenn man doch absteige, dann müsse man mit ruhiger Stimme auf das Pferd einreden.

Der entscheidende Fehler sei aber schon vorher passiert: Ein unerfahrener Reiter sollte nie alleine im Gelände üben, sondern nur in Begleitung eines Lehrers oder routinierter Reiter. J habe schlicht nicht gewusst, wie man sich verhält, wenn ein Pferd "durchgeht". Damit hätten auch bessere Reiter ihre Probleme gehabt - eine solche Situation sei objektiv schwer beherrschbar.

Ein unerfahrener Reiter dürfe in so eine Lage gar nicht erst geraten. Daher hätte die Reitlehrerin J das Pferd auf keinen Fall für einen Ausritt ohne erfahrene Begleitung überlassen dürfen. Sie hätte das Können der Minderjährigen abschätzen und sie vor dem erheblichen Risiko bewahren müssen, das mit einem Ausritt ins Gelände verbunden sei.