Unfall auf dem Autobahn-Standstreifen

Wer verbotswidrig den Standstreifen benutzt, haftet allein für den Schaden

onlineurteile.de - Ein Autofahrer wollte auf eine Autobahn auffahren. Da ziemlich viel Verkehr war, gelang es ihm nicht, sich einzufädeln. Am Ende der Beschleunigungsspur zu warten, bis er die Spur wechseln konnte, hatte er anscheinend keine Lust - statt dessen fuhr er ziemlich flott auf die Standspur. Dort prallte er gegen ein Streckenkontrollfahrzeug: Dessen Fahrer hatte gerade Reifenteile auf der Standspur entdeckt, angehalten und den Rückwärtsgang eingelegt. Warnblinklichtanlage, gelbe Rundumleuchten und ein nach links zeigender Blinkpfeil waren eingeschaltet. Aus unerfindlichen Gründen war der Autofahrer der Meinung, ihm stehe Entschädigung vom Land Hessen zu, dem Dienstherrn seines Unfallgegners.

Den Fahrer des Kontrollfahrzeugs treffe keinerlei Vorwurf, hielt ihm das Landgericht Gießen entgegen (1 S 38/03). Er dürfe auf dem Standstreifen fahren, wenn nötig auch einmal rückwärts. "Normale" Autofahrer dürften den Standstreifen dagegen nur in Notfällen benützen. Wenn es einem Fahrer am Ende der Beschleunigungsspur nicht gelinge, sich einzufädeln, sei das aber kein Notfall. Dann müsse er stehenbleiben und eine ausreichend große Lücke im Verkehr abwarten.

Der Autofahrer habe nicht nur gegen das Standspur-Verbot verstoßen, sondern zudem extrem leichtsinnig gehandelt: Am Kontrollfahrzeug hätten alle Warnanlagen geleuchtet; dass er es übersehen habe, sei wenig glaubwürdig. Schon zu Beginn der Beschleunigungsspur (aus ca. 300 Metern Entfernung) habe er es erkennen müssen. Die Umstände deuteten vielmehr darauf hin, dass er (auf regennasser Fahrbahn!) versucht habe, einen Laster rechts zu überholen, um dann noch schnell vor dem Kontrollfahrzeug auf die Fahrspur zu wechseln. Seinen Wagen müsse der Autofahrer daher auf eigene Kosten reparieren lassen.