Unfall beim Inlineskaten

Leichtsinnige Skaterin stößt in einer Kurve mit einem Auto zusammen

onlineurteile.de - Bei schönem Herbstwetter war Frau X mit ihren Inlineskates unterwegs und ging dabei ein hohes Risiko ein: Sie fuhr nämlich auf einer vier Meter breiten Landstraße in der Mitte der Gegenfahrbahn dahin — und das tat sie auch in einer langen, schlecht einsehbaren Linkskurve. Ein entgegenkommender Wagen konnte den Zusammenstoß nicht mehr vermeiden, obwohl er versuchte auszuweichen. Dabei wurde die 49-Jährige schwer verletzt.

Vom Autofahrer und seiner Kfz-Haftpflichtversicherung verlangte sie Schadenersatz und 80.000 Euro Schmerzensgeld. Doch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm urteilte, den Autofahrer treffe keine Schuld (9 U 1/13). Er sei nicht zu schnell gefahren und habe auch nicht falsch reagiert, als ihm die Frau auf seiner Fahrbahnseite entgegenkam.

Daher müsse seine Kfz-Haftpflichtversicherung nur für die "Betriebsgefahr" haften, also das Gefahrenpotenzial, das generell von jedem fahrenden Auto ausgehe: mit 25 Prozent. Weit überwiegend habe aber die Verunglückte den Verkehrsunfall verschuldet und müsse deshalb 75 Prozent der Folgekosten selbst tragen.

Für Inlineskater gelten die Verkehrsvorschriften für Fußgänger. Außerhalb einer geschlossenen Ortschaft hätte die Frau also am linken Fahrbahnrand fahren müssen. Daran habe sie sich nicht gehalten, sei stattdessen in der Mitte der Gegenfahrbahn geskatet. Vor einer unübersichtlichen Linkskurve hätte sie ihre Fahrt entweder am rechten Fahrbahnrand fortsetzen oder sich der Kurve gehend nähern müssen.

Mit diesem Urteil legte das OLG die Haftungsquote gemäß dem Verschulden der Unfallbeteiligten fest. Über die Höhe des Zahlungsanspruchs der Skaterin, der sich aus dieser Haftungsquote von 25 zu 75 ergibt, muss nun das Landgericht entscheiden.