Unfall bewusst falsch geschildert

Verletzt ein Versicherungsnehmer seine Aufklärungspflicht, muss der Kfz-Haftpflichtversicherer nicht zahlen

onlineurteile.de - Eine Autofahrerin meldete ihrer Vollkaskoversicherung einen Unfallschaden. Laut Schadensanzeige war ihr Sohn mit dem Auto gefahren. Während der Fahrt sei plötzlich die Motorhaube aufgesprungen. Deshalb sei der Sohn von der Fahrbahn abgekommen und neben der Straße gegen einen großen Stein geprallt.

Das Versicherungsunternehmen ließ den Wagen untersuchen und bestritt danach — entsprechend dem Bericht seines Kfz-Experten —, dass der Unfall so abgelaufen sein könnte. Vermutlich hätten die Versicherungsnehmerin und ihr Sohn einen Unfall konstruiert, um Versicherungsleistungen zu erschleichen. Der Versicherer zahlte nichts.

Beim Landgericht Hamburg blitzte die Autobesitzerin mit ihrer Forderung ebenfalls ab (331 O 160/09). Ob die Versicherungsnehmerin wirklich einen Unfall "manipuliert" habe, könne sogar offen bleiben, erklärte das Landgericht. Wenn das Unfallgeschehen vorsätzlich falsch beschrieben werde, verletze das die Pflicht des Versicherungsnehmers, an der Aufklärung des Unfallgeschehens mitzuwirken.

Schon damit verliere die Versicherungsnehmerin den Anspruch auf Versicherungsleistungen für diesen Unfall. Nach dem Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen stehe fest, dass die Motorhaube nicht schon vor der Kollision mit dem Hindernis offen gewesen sein könne. Das Auto sei mit geschlossener Motorhaube gegen den Stein gefahren.

Natürlich begründe nicht jede Erinnerungslücke den Vorwurf, dass der Versicherungsnehmer die Aufklärung des Unfallhergangs vereitle. Autofahrer könnten sich irren oder in der Aufregung über einen Unfall etwas falsch wahrnehmen. Darum gehe es hier aber nicht: Über eine aufgesprungene Motorhaube könne man sich nicht täuschen.

Wenn der Sohn diese Version erfunden haben sollte, seien der Versicherungsnehmerin dessen falsche Aussagen zuzurechnen: Schließlich habe sie die Schadensanzeige selbst unterzeichnet.