Unfall oder Schlafwandeln?

Frau verklagt nach einem Sturz aus dem Fenster ihre private Unfallversicherung

onlineurteile.de - Eine Frau war in einer Sommernacht aus dem Fenster ihres Schlafzimmers im ersten Stock des Hauses gefallen. Morgens erwachte sie im Gras, weil es kalt wurde - so schilderte sie später dem Gericht das Erlebnis. Schwer verletzt an Beinen und Hüfte, verlangte sie Leistungen von ihrer privaten Unfallversicherung. Ihre Erklärung, sie sei wohl schlafgewandelt und deshalb gestürzt, führte aber zu einem abschlägigen Bescheid des Versicherers: Wenn der Unfall durch eine Bewusstseinsstörung des Versicherungsnehmers ausgelöst werde, falle dies nicht unter den Versicherungsschutz.

Die Zahlungsklage der Verletzten gegen den Versicherer blieb ohne Erfolg. Dass sie vor Gericht behauptete, die Umstände ihres Sturzes seien "nicht aufzuklären" und "das mit dem Schlafwandeln" habe sie nur vermutet, half ihr nichts mehr. Ein unfreiwilliger Sturz im wachen Zustand sei so unwahrscheinlich, urteilte das Landgericht Memmingen, dass man diese Annahme getrost außer Acht lassen könne (1 S 2376/01).

Dass jemand in der Nacht aufwache und dann zum Fenster gehe, um nach draußen zu schauen, könne vorkommen. Da jedoch der Rolladen weit heruntergelassen war (wie Nachbarn als Zeugen bestätigten), hätte sich die Frau anschließend durch die verbliebene Öffnung geradezu hindurchzwängen müssen. Bei normaler Höhe und Breite einer Fensterbrüstung in einem Wohnhaus müsse man außerdem, um das Gleichgewicht zu verlieren, schon richtig auf die Brüstung klettern. Im wachen Zustand aus dem Fenster zu fallen, wäre also geradezu ein Kunststück gewesen. Objektiv gesehen, komme daher nur ein Selbstmordversuch oder ein Sturz in Betracht, der auf einer Bewusstseinsstörung beruhe. Beide Fälle seien vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.