Unfallauto verschleudert?

Haftpflichtversicherung: Restwertaufkäufer hätte mehr gezahlt

onlineurteile.de - Nach einem Unfall handelte die (schuldlose) Autofahrerin schnell: Sie ließ ihr Fahrzeug von einem Sachverständigen schätzen und verkaufte es schon zwei Tage später zum Schätzwert (3.879 Euro). Das passte der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nicht. Mit dem Argument, der Sachverständige der Geschädigten habe den Restwert viel zu niedrig angesetzt, versuchte das Unternehmen, die Entschädigungssumme zu drücken: Wer sein Unfallauto zum Schleuderpreis verkaufe, verstoße gegen die Pflicht, den finanziellen Schaden für die Versicherung so gering wie möglich zu halten.

Das Oberlandesgericht Hamm stellte sich auf die Seite der Autofahrerin (17 U 86/02). Der Haftpflichtversicherer könne das Gutachten nicht mit dem Verweis auf einen höheren Preis angreifen, wie ihn (vielleicht) professionelle Restwertaufkäufer auf einem Sondermarkt erzielten. Grundsätzlich könne der Unfallgeschädigte über die Verwertung seines Fahrzeugs selbst entscheiden, vorausgesetzt, ein Sachverständiger ermittle vorher den Restwert. Das Gutachten im konkreten Fall sei korrekt, die Werte schlüssig und nachvollziehbar. Warum die Autofahrerin dem Sachverständigen und seinen Ergebnissen hätte misstrauen sollen, sei nicht ersichtlich.