"Unfallfreier Gebrauchtwagen"

Autohersteller haftet für Fehlinformation in seiner Niederlassung

onlineurteile.de - Im Internet bot die Niederlassung eines großen Autoherstellers einen Gebrauchtwagen an. Es fand sich ein Käufer. Im Bestellformular stand, das "Fahrzeug sei nach den Angaben des Vorbesitzers unfallfrei", was in der Niederlassung mündlich bestätigt wurde. Doch in einer Werkstatt erfuhr der Käufer, dass das Fahrzeug einen schweren Unfall hatte. Als der Käufer bei der Niederlassung reklamierte, schaltete diese einen neutralen Gutachter ein. Dieser checkte das Fahrzeug durch und erklärte dann, es sei noch nicht mal fachgerecht repariert. Eine andere Niederlassung des Autoherstellers habe da ziemlichen Mist gebaut.

Nun reichte es dem Käufer - er verlangte den Kaufpreis zurück. Der Widerstand des Autoherstellers war vergeblich: Das Oberlandesgericht Schleswig stellte sich auf die Seite des Autokäufers (5 U 11/05). Er könne den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten, urteilten die Richter.

Beim Verkauf von Autos aus dem eigenen Haus sei es nicht üblich, in den Niederlassungen die Fahrzeuge nochmals vom Meister überprüfen zu lassen. Man verlasse sich also auf die Auskünfte der anderen Filialen. Um so wichtiger sei es dann aber, die Weitergabe derart wichtiger Informationen gut zu organisieren. Dass ein Auto eine bedeutende Unfallreparatur hatte (Kostenpunkt: fast 11.000 DM), dürfe nicht unter den Tisch fallen. Wenn so etwas doch passiere - weil das Auto in einer Filiale repariert und in einer anderen verkauft werde -, liege ein Fehler in der unternehmensinternen Kommunikation vor. Und diesen Fehler müsse sich der Autohersteller zurechnen lassen. (Das Gericht ließ gegen das Urteil Revision zu, weil diese Problematik noch nicht höchstrichterlich entschieden wurde.)