Unfallgeschädigter lässt Auto reparieren ...

... und kauft dann doch ein neues: Ersatz der Reparaturkosten?

onlineurteile.de - Nach dem Zusammenstoß war sein Auto ganz schön demoliert. Dass die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers den Schaden übernehmen musste, war für den Autofahrer nur ein schwacher Trost. Laut Gutachten eines Kfz-Sachverständigen sollte die Reparatur 8.880 Euro kosten. Den Wiederbeschaffungswert des Wagens schätzte der Fachmann auf 10.650 Euro, den Restwert auf 3.000 Euro.

Der Unfallgeschädigte ließ sein Auto bei einem Autohaus mit Fachwerkstatt reparieren. Drei Wochen lang werkelten die Mechaniker. In dieser Zeit überlegte es sich der Autofahrer dann doch anders. Als die Reparatur fertig war, kaufte er im Autohaus einen neuen Wagen und verkaufte dem Händler das reparierte Fahrzeug. Aus diesem Grund weigerte sich die Kfz-Versicherung, ihm die Reparaturkosten (9.262 Euro brutto) zu ersetzen. Sie zahlte nur 7.650 Euro (Wiederbeschaffungswert minus Restwert), weil er den beschädigten Wagen nicht mehr nutzte.

Das Auto sei fachgerecht repariert worden und die Kosten der Reparatur lägen unter dem Wiederbeschaffungswert, stellte der Bundesgerichtshof fest (VI ZR 77/06). Also gebe es keinen Grund für den Versicherer, die Kosten nicht zu ersetzen. Denn: Habe der Geschädigte die Reparatur durchführen lassen, spiele es keine Rolle mehr, ob und wann er danach ein anderes Fahrzeug erwerbe.

Dann handle es sich aus rechtlicher Sicht nicht mehr um den Kauf eines Ersatzfahrzeugs an Stelle einer Reparatur. Also habe der Autobesitzer Anspruch auf Ersatz des vollen Rechnungsbetrags. Bei so einer Konstellation dürfe auch der Restwert nicht abgezogen und der Ersatz auf den Wiederbeschaffungsaufwand begrenzt werden (= Wiederbeschaffungswert minus Restwert).