Unfallschaden und Werkstattkosten 2

Kfz-Versicherung muss nicht jeden Stundensatz einer Fachwerkstatt akzeptieren

onlineurteile.de - Der VW-Bus hatte bei einem Verkehrsunfall einige Schrammen und Dellen abbekommen. Sein Besitzer B war für den Unfall nicht verantwortlich: Der Haftpflichtversicherer des Unfallgegners musste für den Schaden in voller Höhe einstehen. B berechnete der Versicherung fiktive Reparaturkosten (gemäß Sachverständigengutachten).

Das Versicherungsunternehmen attackierte daraufhin den Sachverständigen: Er lege seiner Berechnung total überhöhte Werkstatt-Stundensätze zugrunde. Bei Lohnkosten, Lackier-und Nebenkosten sei anstelle des im Gutachten kalkulierten Stundensatzes von 85 Euro nur 68 Euro anzusetzen. So viel verlange zum Beispiel die Werkstatt "Karosserie + Lackzentrum Z".

Der Unfallgeschädigte pochte dagegen auf die so genannte "Porsche-Entscheidung" des Bundesgerichtshofs: Das Sachverständigengutachten sei auch dann zu beachten, wenn es die Kosten einer markengebundenen Fachwerkstatt veranschlage, deren Stundenverrechnungssätze an der oberen Grenze lägen. Das gelte aber nicht, wenn der Kfz-Versicherer konkret einen qualitativ gleichwertigen und leicht erreichbaren Fachbetrieb benenne, der deutlich günstigere Sätze anbiete, entschied das Landgericht Potsdam (13 S 102/07).

Das Landgericht wies die Zahlungsklage von B gegen den Kfz-Versicherer ab. Der Versicherer habe den Stundensatz nicht bloß pauschal angegriffen ("das sei überdurchschnittlich teuer" oder so ähnlich), sondern konkret angegeben, wo die gleichen Arbeiten billiger ausgeführt würden.

Das "Karosserie + Lackzentrum Z" sei eine zertifizierte Fachwerkstatt, die ausschließlich mit Originalteilen repariere. Sie liege im gleichen Gewerbepark wie die Markenwerkstatt, an deren Kosten sich der Gutachter orientiert habe. Der VW-Bus-Besitzer habe nicht nachvollziehbar erläutern können, warum die Reparatur nicht in dieser, wesentlich günstigeren Werkstatt ausgeführt werden sollte.