Unfalltod durch Stromschlag?

Versicherer verweigert Leistungen wegen der Herzkrankheit des Elektrikers

onlineurteile.de - Ein Elektriker hatte eine Lebensversicherung mit Unfallzusatzversicherung abgeschlossen. Während der Montage in einem Betrieb zog er ein Kabel aus einem Schaltschrank, löste einen Kurzschluss aus und erhielt einen Stromschlag. Danach verschlechterte sich der Gesundheitszustand des herzkranken Mannes rapide. Er starb zwei Wochen später.

Für die Berufsgenossenschaft wurde der Leichnam obduziert und festgestellt, dass der Mann Herzinfarkte erlitten hatte. Der Strom, der durch seinen Körper geflossen war, habe Herzrhythmusstörungen und Infarkte ausgelöst, so das Fazit des Pathologen. Trotzdem verlangte die Witwe vergeblich Leistungen von der Unfallversicherung. Todesursache sei ein Herz-Kreislauf-Versagen infolge der fortgeschrittenen Arterienverkalkung des Versicherungsnehmers, behauptete der Versicherer.

Dem widersprach das Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken und gab der Witwe Recht. Allerdings kürzte das OLG die Todesfallleistung um die Hälfte: Denn gemäß den Versicherungsbedingungen war der Betrag zu mindern, wenn neben dem Unfall Krankheiten (zu mindestens 25 Prozent) zum Tod des Versicherungsnehmers beitrugen. Laut Sachverständigengutachten hatten Herzkrankheit und Stromschlag gleichermaßen zum Tod des Elektrikers geführt.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Rechtsstreit ans OLG zurück (IV ZR 70/11). Dass die Krankheit die Unfallfolgen mit-verursachte (hier also den Tod des Versicherungsnehmers), müsse das Versicherungsunternehmen beweisen. Und zwar mit einem Grad von Gewissheit, der "Zweifeln Schweigen gebiete", auch wenn sie nicht völlig auszuschließen seien. Das sei hier nicht gelungen.

Die medizinischen Sachverständigen hätten von "Zusammenwirken" beider Ursachen gesprochen, es aber rundweg abgelehnt, den Anteil der Vorerkrankung am Tod des Elektrikers zu beziffern. Daraus hätte das OLG nicht den Schluss ziehen dürfen, die Versicherungsleistung sei zu halbieren. Wenn es letztlich unklar bleibe, ob der Anteil der Vorerkrankung bei 25 Prozent oder mehr liege, komme es nicht in Betracht, die Versicherungssumme zu kürzen.