Unfallwagen noch "neuwertig"?

Nutzungszeit entscheidet über Abrechnung auf Neuwagenbasis

onlineurteile.de - Die Freude an dem geleasten neuen Auto (Nettokaufpreis 23.254 Euro) währte nicht lange. Schon 40 Tage nach der Übergabe kam es zu einem Crash. Laut Gutachten betrugen die Reparaturkosten 5.281 Euro, die von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers übernommen wurden. Der Autobesitzer gab sich damit aber nicht zufrieden: Er forderte von der Versicherung, auf Neuwagenbasis abzurechnen.

Das Landgericht Schweinfurt machte ihm einen Strich durch die Rechnung (21 O 949/04). Zwar sei der Schaden erheblich, denn die Reparaturkosten machten etwa 20 Prozent des Kaufpreises aus. Der Wagen sei aber nicht mehr als "neuwertig" anzusehen, so das Landgericht: Abrechnung auf Neuwagenbasis komme nur in Frage, wenn das Fahrzeug höchstens 1.000 km auf dem Tacho habe oder weniger als einen Monat in Gebrauch gewesen sei.

Im konkreten Fall war der Leasingnehmer mit dem Unfallwagen nur 838 km gefahren. Doch die Abrechnung auf Neuwagenbasis scheiterte daran, dass zwischen Zulassung und Unfall 40 Tage vergangen waren. Vergeblich pochte der Mann darauf, er habe während dieser Zeit eine 16-tägige Flugreise unternommen und das Auto überhaupt nicht "gebraucht".

Die "Gebrauchsdauer" richte sich nicht danach, ob der Autofahrer den Wagen tatsächlich benutzt habe, sondern danach, wie lange er damit hätte fahren können, erklärte das Landgericht. Sei die Nutzungszeit von einem Monat überschritten, werde nur in Ausnahmefällen auf Neuwagenbasis abgerechnet (z.B. bei bleibenden optischen oder technischen Mängeln trotz Reparatur) - so ein Fall liege hier nicht vor.