Ungeübter Automatik-Fahrer bremst aus Versehen auf der Autobahn

Kein grobes Verschulden - Versicherung muss zahlen

onlineurteile.de - Der Wagen war brandneu, ein wahres Schmuckstück. Etwas ungewohnt für den stolzen Besitzer war nur die Automatik-Schaltung. Gleich nach dem Kauf testete er das Auto auf der Autobahn. Doch beim Tacho-Stand von 280 Kilometern wurde er unkonzentriert. Der Fahrer überholte einen Reisebus und scherte gleich vor ihm wieder in die rechte Spur ein. Dann wollte er, ganz wie er es gewohnt war, in einen höheren Gang schalten. Nur: Wo der Fahrer die Kupplung wähnte, befand sich die Bremse ...

Die Vollbremsung überstand der Neuwagen nicht, denn der Bus fuhr auf ihn auf. Zur Polizei sagte der verdutzte Fahrer, es könne sich nur um einen Fabrikationsfehler handeln. Zunächst übernahm die Kaskoversicherung die Reparaturkosten von 20.000 Euro. Als sie aber später durch die Bußgeldakte vom Bremsmanöver erfuhr, änderte sie ihre Meinung und forderte das Geld vom Fahrer zurück: Die Vollbremsung sei grob fahrlässig gewesen. Wahrscheinlich habe er sich über den Busfahrer geärgert und ihm eine Lektion erteilen wollen. Obendrein habe der Versicherungsnehmer die Versicherung zu täuschen versucht, indem er behauptete, das Auto sei technisch fehlerhaft.

Diesem Vorwurf widersprach das Oberlandesgericht Düsseldorf (I-4 U 15/03). Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass der Fahrer absichtlich gebremst habe und dabei mutwillig sein neues Auto aufs Spiel setzte. Dass er die Bremse mit der Kupplung verwechselt habe, sei glaubwürdig. Schließlich sei er ans Schalten gewöhnt und zuvor noch nie mit Automatik gefahren. So ein Fehler sei nachvollziehbar, deshalb könne man dem Fahrer keine grobe Fahrlässigkeit unterschieben. Kurz nach dem Unfall habe der Mann unter Schock gestanden und nicht mehr durchgeblickt. Später habe er seine Angaben zum Unfall selbst korrigiert. Eine bewusste Täuschung des Versicherers liege deshalb nicht vor; das Unternehmen müsse den Schaden regulieren.