Unselige Implantate

Nerv geschädigt: Müssen Ärzte Patienten über ein so selten auftretendes Risiko aufklären?

onlineurteile.de - 2008 hatte der Zahnarzt einer Patientin zwei Implantate eingesetzt. Dabei wurde ein Nerv dauerhaft geschädigt. Bis heute leidet die Frau unter Sensibilitätsstörungen und Schmerzen beim Kauen. Ein Kunstfehler war dem Mediziner nicht nachzuweisen: Solche Probleme sind mögliche Konsequenzen auch einer korrekten Behandlung, selbst wenn sie selten auftreten.

Allerdings warf die Patientin dem Zahnarzt vor, sie nicht korrekt über die Risiken des Eingriffs informiert zu haben. Auch mangelhafte Aufklärung kann einen Anspruch auf Schmerzensgeld begründen: Denn dadurch wird die Zustimmung des Patienten zu einer Behandlung unwirksam und die Behandlung rechtswidrig.

Das Landgericht Trier hatte den Zahnarzt dazu verurteilt, der Patientin 7.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Die Berufung des Mediziners gegen dieses Urteil scheiterte beim Oberlandesgericht (OLG) Koblenz (5 U 496/12). Vergeblich verwies er auf den schriftlichen Aufklärungsbogen, den seine Kollegin (die das Aufklärungsgespräch mit der Patientin führte) der Frau vorgelegt hatte. Da sei als Risiko auch die "Nervschädigung" benannt.

Das Aufklärungsformular belege nicht, dass die Patientin umfassend und sachgemäß über Behandlungsrisiken und -alternativen aufgeklärt worden sei, so das OLG. Ohne genauere Erläuterungen sei der Hinweis "Nervschädigung" unzureichend. Er verdeutliche den Patienten nicht, dass die Nervschädigung zu nicht mehr behebbaren Sensibilitätsstörungen führen könne.

Auch wenn so ein dauerhafter Schaden durch das Einsetzen von Implantaten sehr selten auftrete, müssten Ärzte die Patienten darüber gründlich aufklären. Wie klein das Risiko auch sei: Da diese Komplikation das weitere Leben der betroffenen Patienten gravierend und nachhaltig beeinträchtige, müsse man sie über die eventuellen Folgen genau informieren. Im konkreten Fall hafte der Zahnarzt für die Folgen, weil anzunehmen sei, dass die Patientin bei ordnungsgemäßer Aufklärung eine andere Behandlung gewählt hätte.