Unzulässige AGB-Klausel eines Reiseveranstalters:

Kunden mussten den Reisepreis schon 90 Tage vor Reisebeginn zahlen

onlineurteile.de - Verbraucherschützer beanstandeten folgende Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eines Veranstalters von Flusskreuzfahrten: "... nach Vertragsschluss wird sofort die Anzahlung in Höhe von 20% des Gesamtpreises fällig. Die Restzahlung ist so zu leisten, dass sie uns 90 Tage vor Reisebeginn gutgeschrieben ist". Diese Klausel dürfe der Reiseveranstalter künftig nicht mehr verwenden, forderten die Verbraucherschützer, weil sie die Kunden unangemessen benachteilige.

Auch das Landgericht Köln ergriff Partei für die Kunden (26 O 351/11). Ein berechtigtes Interesse des Reiseveranstalters an der Gutschrift des Reisepreises 90 Tage vor Reisebeginn sei nicht ersichtlich. Das könne man auch an den Stornopauschalen erkennen: Bei einem Rücktritt des Reisenden bis zum 45. Tag vor Reisebeginn stehe dem Veranstalter nur eine Stornogebühr von 20 Prozent des Reisepreises zu. Eine 100-prozentige Vorleistung der Kunden 90 Tage vor Reisebeginn übertreibe die Absicherung des Veranstalters zum Nachteil der Kunden.

Das sei auch nicht durch das spezielle Angebot gerechtfertigt, das (nur) nach Ansicht des Flusskreuzfahrten-Veranstalters "weit über das Angebot von Pauschalreisen" hinausgehe. Zusätzliche Ausflüge für die Fluss-Reisenden sowie das Koordinieren der An- und Abreise für die Kunden seien keine besonderen Leistungen und auch im Rahmen von Pauschalreisen gang und gäbe.

Für einen Reiseveranstalter stelle so ein Service keinen außergewöhnlichen Aufwand dar, den er sich durch frühzeitige Zahlung vor-finanzieren lassen müsste. Auch der Umstand, dass das Kontingent an Außenkabinen auf den Flussdampfern begrenzt sei, berechtige ihn nicht dazu. Hotels am Meer verfügten ebenfalls nur über eine bestimmte Anzahl an Zimmern mit Meerblick, ohne deshalb bei den Kunden bereits drei Monate vor der Reise zu kassieren. (Der Reiseveranstalter hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.)