Unzumutbares Restwertangebot

Vollkaskoversicherer verweist Versicherungsnehmerin auf Internet-Händler

onlineurteile.de - Eine GmbH hatte für einen Transporter (Fiat Ducato) eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Ihr Fahrer hatte im Frühjahr 2008 eine Pechsträhne: Im April und im Mai ereigneten sich mit dem Fahrzeug zwei Unfälle. Für die Reparatur nach dem ersten Unfall zahlte der Vollkaskoversicherer 6.223 Euro. Nach dem zweiten beauftragte er einen Sachverständigen, der Totalschaden feststellte und den Restwert auf 4.200 Euro schätzte.

Der Kfz-Experte übermittelte der Fahrzeughalterin im Auftrag des Versicherers das Angebot eines Internethändlers: Das Unternehmen R-Autohandel sei bereit, den Fiat zum geschätzten Restwert zu übernehmen. Doch die GmbH verkaufte den Transporter am Ort für 1.000 Euro.

Von der Vollkaskoversicherung erhielt sie deshalb für den Unfallschaden nur einen geringen Betrag: Die Firma habe den Fiat weit unter dem Restwert verkauft, statt das Online-Angebot anzunehmen, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Dem widersprach das Oberlandesgericht Karlsruhe (12 U 90/09).

Auf dieses Angebot habe die Firma nicht eingehen müssen. Der Anbieter R-Autohandel habe seine Niederlassung über 400 Kilometer entfernt vom Firmensitz der GmbH. Ob R-Autohandel den Fiat auf seine Kosten abgeholt hätte, stehe nicht fest. Für die Versicherungsnehmerin sei es unzumutbar, auf eigene Kosten den Transport eines - nicht mehr fahrtüchtigen! - Fahrzeugs mit einem speziellen Abschleppwagen zu organisieren.

Dass die GmbH auf dem allein maßgeblichen, regionalen Markt einen höheren Preis für den Ducato hätte erzielen können, habe der Vollkaskoversicherer auch nicht belegt. Er dürfe daher vom Wiederbeschaffungswert des Wagens nur den Betrag von 1.000 Euro als Restwert abziehen, den die GmbH tatsächlich beim Verkauf erhielt. Die GmbH habe Anspruch auf weitere 3.200 Euro.