Urlauber müssen Reisemängel vor Ort anzeigen

Das gilt auch, wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt

onlineurteile.de - Für 4.000 Euro hatte die vierköpfige Familie eine Urlaubsreise nach Brasilien gebucht. Ziemlich enttäuscht waren die Urlauber, weil am Strand vor dem 3-Sterne-Hotel das Baden wegen gefährlicher Unterwasserströmungen verboten war. Der Familienvater schluckte den Ärger aber "runter", denn er sprach kaum Englisch und Portugiesisch erst recht nicht. Eine deutsche Reiseleitung gab es nicht vor Ort.

Bei der Heimreise kam es dann ganz dick: Der Flug wurde kurzerhand sechs Stunden vorverlegt und der Flieger landete in Amsterdam, statt, wie gebucht, in Düsseldorf. Von Amsterdam aus musste die Familie die letzten 200 Kilometer im Bus zurücklegen. Für beide Ärgernisse forderte der Familienvater vom Reiseveranstalter 800 Euro Entschädigung. Der Veranstalter zahlte freiwillig 150 Euro, was dem Mann aber nicht reichte.

150 Euro seien mehr als genug, fand dagegen das Amtsgericht Düsseldorf (26 C 5498/06). Einige hundert Meter vom Hotel entfernt hätte die Familie gefahrlos am Strand baden können. Doch davon abgesehen: Wenn der Familienvater das Badeverbot am Hotelstrand als Reisemangel empfinde, dann müsse er dies im Hotel mitteilen (bei Sprachproblemen notfalls per Telefon dem Veranstalter in Deutschland). Dann hätte man die Familie eventuell in einem anderen Hotel unterbringen können.

Wenn der Kunde dem Reiseveranstalter keine Möglichkeit gebe, einen Reisemangel zu beheben, habe er keinen Anspruch auf Entschädigung. Als Ausgleich für die umständliche Rückreise könne der Kunde dagegen den Reisepreis mindern, und zwar um 40 Prozent eines Tagesreisepreises. Dies entspreche bei vier Personen einer Summe von 123,80 Euro - und 150 Euro habe der Veranstalter ja bereits zurückgezahlt.