Vater Muslim, Mutter Katholikin

Nach der Scheidung streiten Eltern über die religiöse Erziehung des Sohnes

onlineurteile.de - Eine Mischehe war zu Ende. Nach der Scheidung im Jahr 2003 stritt die deutsche, katholische Frau mit dem muslimischen Vater - einem pakistanischen Staatsangehörigen - vor allem um die religiöse Erziehung des damals erst ein Jahr alten Sohnes. Die Mutter wollte ihn taufen lassen und christlich erziehen, der Vater fand, das Kind sollte das später selbst entscheiden. Das Familiengericht übertrug der Mutter allein das Sorgerecht für den Jungen, dagegen kämpfte der Vater zunächst erfolglos.

Erst der Bundesgerichtshof machte ihm Hoffnung und korrigierte die Entscheidungen der Vorinstanzen (XII ZB 33/04). Dass es hier im Interesse des Kindes geboten war, der Mutter das alleinige Sorgerecht zu übertragen, konnten die Bundesrichter nicht nachvollziehen. Das Paar sei zerstritten, das schließe aber nicht aus, dass sie in Angelegenheiten ihres Kindes gemeinsam zu Lösungen fänden. Meinungsverschiedenheiten der Eltern über die religiöse Erziehung des Kindes rechtfertigten es nicht, dem Vater das Sorgerecht zu entziehen.

Zwar habe die Vorinstanz zu Recht erklärt, es sei eine wichtige Aufgabe der Eltern, ihrem Kind ethische Wertvorstellungen zu vermitteln und es zu einem angemessenen Sozialverhalten zu erziehen. Auch das sei jedoch kein Grund, das Elternrecht des Vaters aufzuheben: Ethische Erziehung könne, müsse aber nicht notwendigerweise durch eine frühzeitige und feste Orientierung in einem bestimmten Glauben erfolgen. Im Übrigen habe sich der Vater der Integration des Kindes in seine christliche Umgebung nicht prinzipiell widersetzt. Alltagsprobleme, die durch die unterschiedliche religiöse Ausrichtung der Eltern entstünden, könnten auch durch eine teilweise Übertragung des Sorgerechts auf die Mutter gelöst werden (also nur in Bezug auf einzelne Streitpunkte).