Venezianischer Spiegel im Bad!

Mieter kann fristlos kündigen und die Miete zurückfordern

onlineurteile.de - Ein Student mietete für 213 Euro monatlich ein Zimmer in einer Münchner Wohnung, die er mit zwei Kommilitonen teilte. Es war eine kleine Einliegerwohnung in einem Einfamilienhaus, in dem auch der Vermieter wohnte. Einige Monate nach dem Einzug bemerkte der Student am Badezimmer-Spiegel seltsame Verfärbungen. Als er mit einer Taschenlampe genauer hinsah, fiel ihm auf, dass der Spiegel durchsichtig war. Verblüfft alarmierten die Studenten die Polizei.

Beamte untersuchten die dubiose Angelegenheit und entdeckten, dass es sich um einen venezianischen (= einseitig durchsichtigen) Spiegel handelte, hinter dem die Mauer durchbrochen war. Von einem für die Mieter unzugänglichen Abstellraum aus konnte man durch den Spiegel das Geschehen im Gemeinschaftsbad unbemerkt beobachten - mit freiem Blick auf Toilette, auf die vorhanglose Dusche bis hin zum Bett im Nebenzimmer. Im Abstellraum fanden die Polizisten diverse Pornohefte und Sex-Videos. Ein Kalender an der Wand zeigte das aktuelle Datum. Offenbar hatte der Vermieter als heimlicher Spanner die Intimsphäre des Mieter-Trios ausgeforscht.

Nach dieser unerfreulichen Entdeckung kündigte der Student das Mietverhältnis fristlos und forderte die Miete zurück. Der Vermieter gab zu, den Spiegel zu "kennen". Dessen Existenz beeinträchtige aber höchstens das Bad in seinem Wohnwert, meinte er. Deshalb dürfe der Mieter nicht gleich kündigen. Dem widersprach das Amtsgericht München (473 C 18682/06).

Für den Mieter sei es nicht zumutbar, weiterhin ein Bad zu benutzen, in dem er jederzeit heimlich beobachtet werden könne. Dies störe die Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte der Mieter massiv, das Bad sei nicht mehr benutzbar. Damit sei nicht nur das Bad, sondern die ganze Wohnung wertlos. Dass der Vermieter bei Vertragsschluss arglistig verschwieg, dass sich im Bad ein venezianischer Spiegel befinde, zerstöre jedes Vertrauen zwischen den Vertragsparteien. Eine fristlose Kündigung sei daher gerechtfertigt. Der Vermieter müsse zudem alle Mieteinnahmen zurückzahlen.