"Verarschen" = "Bescheißen"?

Aparter Streit zweier Telefongesellschaften um Kunden(ab)werbung

onlineurteile.de - Telefon- und Internetanbieter schicken Mitarbeiter herum, um Kunden zu akquirieren. Dabei führt der harte Wettbewerb auf dem Telekommunikationssektor zu Stilblüten der besonderen Art. Arcor-Werber hatten es vor einigen Jahren mit gezielter Provokation versucht und einem zögerlichen Wechselkandidaten an den Kopf geworfen: Wenn er "lieber der Telekom das Geld in den Rachen werfen wolle - was zuviel bezahltes Geld sei -, anstatt die günstigen Tarife von Arcor zu nehmen, dann solle er sich halt bescheißen lassen".

Diese Holzhammer-Methode der Kundenwerbung wurde dem Unternehmen auf Antrag der Telekom 2005 gerichtlich verboten. Nun kam es zu einer Neuauflage dieses Streits: Telekom behauptete, der Konkurrent verstoße gegen das Verbot. Ein Zeuge und Telekom-Kunde sagte aus, zwei Arcor-Werber hätten ihn zu einem Wechsel überreden wollen. Darauf sei er nicht eingegangen. Daraufhin habe einer der beiden Werber gesagt: "Dann lassen Sie sich weiterhin von denen verarschen".

Damit werde ihr schon wieder Betrug unterstellt, fand die Telekom AG. Diese Botschaft konnte das Oberlandesgericht Frankfurt in der Äußerung jedoch nicht erkennen (6 W 143/08). Die Richter wiesen den Antrag auf eine Ordnungsstrafe gegen Arcor ab.

Der Ausdruck "Bescheißen" bedeute, jemanden zu übervorteilen. Durch Täuschung werde auf Kosten eines anderen ein materieller Vorteil erlangt. Das beinhalte den Vorwurf, dass die Telekom ihre Kunden betrüge, indem sie systematisch überhöhte Preise fordere. Das sei damals als unhaltbarer Vorwurf und Rufschädigung verboten worden. Demgegenüber bedeute der Ausdruck "Verarschen", dass jemand veralbert bzw. zum Narren gehalten werde. Dadurch entstehe dem Betroffenen nicht unbedingt ein finanzieller Schaden. Ein Betrugsvorwurf sei damit auch nicht verbunden.