Verbessern sich die finanziellen Verhältnisse eines Mannes ...

... kann seine geschiedene Frau auch nachträglich noch Unterhalt verlangen

onlineurteile.de - Nach 21 Jahren war die Ehe 2002 geschieden worden. Der Mann leistete Unterhalt für die jüngere Tochter, aber nicht für die Ex-Frau. Darauf hatte man sich bei der Scheidung geeinigt: Denn der Mann tilgte allein einen Kredit, den das Paar gemeinsam aufgenommen hatte, um ein Einfamilienhaus zu finanzieren. Zudem hatte der selbständig Berufstätige die Nebenkosten für das Haus übernommen und musste geschäftliche Schulden abzahlen.

Anfang 2004 verkaufte der (wieder verheiratete) Mann das Einfamilienhaus. Mittlerweile war die Tochter volljährig und hatte eine Lehre begonnen, er musste also keinen Kindesunterhalt mehr zahlen. Mit der Begründung, die Finanzierungslasten seien weitgehend entfallen, verlangte nun die 47-jährige Ex-Frau nachehelichen Unterhalt: Sie könne nach zwei Bandscheibenvorfällen nicht mehr voll arbeiten. Das Oberlandesgericht Stuttgart gestand ihr bis Ende 2009 Unterhalt zu, im Durchschnitt 419 Euro monatlich (17 UF 42/08).

Die zweite Ehefrau verdiene ihren Lebensunterhalt selbst, müsse also nicht berücksichtigt werden. Durch den Wegfall einiger Zahlungsverpflichtungen hätten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Mannes geändert: Es stehe mehr Geld zur Verfügung. Unter diesen Umständen könne die Ex-Frau auch jetzt noch - nachträglich - Unterhalt beanspruchen. Allerdings nur befristet.

Denn die geschiedene Frau sei nicht dauerhaft erwerbsunfähig. Ein Bandscheibenvorfall sei ein "schicksalhaftes Ereignis" und kein ehebedingter Nachteil, für den der Ehemann geradestehen müsste. Ende 2009 liege die Scheidung sechseinhalb Jahre zurück. Nach diesem Zeitraum könne die Frau "auch im Lichte nachehelicher Solidarität" keinen Unterhalt mehr beanspruchen.