"Vergessenes" Sparbuch geerbt

Bank bestreitet die Echtheit und will von einem Guthaben nichts wissen

onlineurteile.de - Als der Mann 2007 die Sachen seines verstorbenen Vaters durchsah, fiel ihm ein Sparbuch aus dem Jahr 1959 in die Hände. Es wies ein Guthaben von 106.000 DM aus. Seit fast 50 Jahren war auf dem Sparbuch nichts mehr eingezahlt oder abgehoben worden. Der Erbe verlangte von der Bank Auskunft über das Guthaben und dessen Auszahlung plus Zinsen.

Die Bank erklärte das Sparbuch kurzerhand für gefälscht. In ihren Archiven fänden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass das Guthaben jemals existierte. Daraufhin klagte der Mann seine Forderung ein. Das Landgericht gab ein Sachverständigengutachten in Auftrag. Fazit des Experten: Es gebe keine Indizien für eine Nachahmung. Tinte und Kugelschreiberpaste im Sparbuch seien 1955 bereits auf dem Markt gewesen.

Das überzeugte auch das Oberlandesgericht Frankfurt (19 U 180/10). Der Anspruch auf das Guthaben sei noch nicht verjährt. Dass die Bank davon nichts mehr wusste, spiele keine Rolle. Allein das Fehlen von Umsätzen erschütterten die Beweiskraft der Urkunde Sparbuch nicht. Die Bank könne sich auch nicht damit begnügen, die Echtheit der Unterschriften der Bankmitarbeiter in dem Buch anzuzweifeln.

Schließlich liege es in ihrem Verantwortungsbereich, die Geschäftsunterlagen aufzubewahren, mit denen die Echtheit von Unterschriften belegt oder widerlegt werden könne. Andernfalls könnten Banken ja den Beweiswert jedes Sparbuches faktisch aufheben, indem sie die Echtheit der Unterschriften darin verneinten - und gleichzeitig eine Prüfung unmöglich machten.