Verlust der Bahncard

Bahn-AG darf Ersatz für verlorene Bahncards nicht ausschließen

onlineurteile.de - In den "Hinweisen zum Gebrauch Ihrer Bahncard", die Kunden beim Kauf einer Bahncard erhalten, druckte die Deutsche Bahn AG bis Ende September 1993 folgende Klausel ab: "Für abhanden gekommene Bahncards wird kein Ersatz geleistet". Dagegen wandte sich ein Verbraucherschutzverein: Nach dem "Gesetz zur Regelung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen" sei diese Klausel unwirksam.

Das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte diese Auffassung (1 U 67/94): Die beanstandete Klausel benachteilige die Kunden unangemessen. Die Bahncard diene lediglich dazu, das Recht des Kunden auf den ermäßigten Fahrpreis nachzuweisen. Die Bahn-AG habe alle wichtigen Daten der Kunden gespeichert, so dass sie auch ohne die Bahncard herausfinden könne, wem eine Fahrpreisermäßigung zustehe und wem nicht.

Der Zweck der Bahncard liege darin, den Bediensteten der Bahn auf einfache Weise eine Kontrolle zu ermöglichen. Laut Bahncard-Vertrag müsse der Benutzer, um sich auszuweisen, nicht nur die Bahncard selbst, sondern auch einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Es sei also Sache der Bahn-AG, das Risiko des Kartenmissbrauchs dadurch zu verringern, dass korrekt kontrolliert werde. Das Bahnunternehmen könne dieses Risiko nicht einfach per Klausel in den Geschäftsbedingungen einseitig auf die Kunden abwälzen, die vielleicht ohne Verschulden ihre Karte verloren haben.