Versicherungsagent betrügt Kunden

Dafür haftet der Versicherer nur, wenn der Betrug mit den beruflichen Aufgaben des Agenten zusammenhängt

onlineurteile.de - Der Versicherungsangestellte S. hatte sich 1995 selbstständig gemacht. Seither arbeitete er als Vertreter für den gleichen Versicherer und vermittelte (Lebens-)Versicherungsverträge an Privatkunden. Doch der Agent weitete sein Tätigkeitsfeld aus: Er spielte Anlagenberater für Kapitalanlagen. Der Haken an der Sache war allerdings, dass er den Kunden Anlagen verkaufte, die nicht existierten. Das Geld steckte er in die eigene Tasche. Offenbar plagte ihn später sein schlechtes Gewissen, denn der Schwindel flog durch Selbstanzeige des Agenten auf. Ein betrogener Kunde verklagte erfolglos das Versicherungsunternehmen auf Schadenersatz.

Für betrügerisches Handeln eines Agenten müsse der Versicherer nur einstehen, wenn es sachlich mit dessen beruflichen Aufgaben zusammenhänge, erklärte das Oberlandesgericht Hamm (4 U 63/04). Das treffe hier aber nicht zu. S. habe Kunden in Versicherungsfragen beraten und Verträge vermitteln sollen. Als er ihnen (erfundene) Kapitalanlagen empfahl und "verkaufte", habe er den ihm übertragenen Aufgabenbereich eindeutig verlassen. Dass er Barzahlungen der Kunden für vermeintliche Geldanlagen veruntreute, stehe in keinem Zusammenhang mit dem Versicherungsgeschäft und könne dem Versicherer nicht zugerechnet werden. Auch interne Kontrollen des Unternehmens hätten den Betrug nicht erfassen können, gerade weil er nichts mit dem Versicherungsgeschäft zu tun gehabt habe.