Verspäteter Anschlussflug außerhalb Europas

Keine Entschädigung für Fluggäste, weil die EU-Fluggastrechteverordnung nur in der EU gilt

onlineurteile.de - Zwei Reisende hatten in etwa dasselbe erlebt. Beide flogen vom Flughafen Frankfurt am Main ab, mit Flugzeugen außereuropäischer Fluglinien. Beide Flüge starteten pünktlich und landeten zunächst nach Plan. Ein Passagier in Sao Paulo in Brasilien, von wo aus er nach Belem (ebenfalls in Brasilien) weiterflog. Der andere Fluggast stieg in Muskat im Oman in ein Flugzeug nach Bangkok um.

Beide Anschlussflüge hatten jeweils acht Stunden Verspätung. Zuviel, fanden die frustrierten Fluggäste. Sie forderten Entschädigung: Laut EU-Verordnung müssten so erheblich verspätete Flüge wie annullierte Flüge behandelt werden — demnach stehe ihnen eine Ausgleichszahlung von 600 Euro zu.

Das juristische Problem: Ist die EU-Verordnung über die Rechte von Fluggästen auch außerhalb von Europa anzuwenden? Schließlich waren nur die Anschlussflüge verspätet. Die Fluggäste argumentierten so: Man müsse die Flüge jeweils als einen Flug ansehen, mit Start in Frankfurt und Endziel Bangkok bzw. Endziel Belem. Die EU-Verordnung müsse für Flüge bis zu ihrem Endziel gelten.

Dem widersprach der Bundesgerichtshof (X ZR 12/12, X ZR 14/12). Anschlussflüge seien als separate Flüge einzustufen, auch wenn sie gleichzeitig mit dem ersten Flug gebucht wurden. Da sie an einem Flughafen außerhalb Europas starteten — Sao Paulo und Muskat — und auch der Zielflughafen nicht in Europa lag, hätten die Europäischen Richtlinien hier keine Geltung. Sie seien nur anwendbar, wenn entweder der Startflughafen oder der Zielflughafen in einem EU-Mitgliedsstaat liege. Treffe das nicht zu, bestehe kein Anspruch auf Ausgleichszahlung.