Verspätung oder Annullierung?

Flugzeug flog erst am nächsten Tag, Fluggäste wurden umgebucht

onlineurteile.de - Ein Ehepaar hatte zwei Tickets der AF-Fluglinie für einen Flug von Nagoya via Paris nach Berlin. Der Flug Nr. AF 295 sollte am 10. September 2005 um 10.10 Uhr in der japanischen Hafenstadt starten und um 20.45 Uhr in Berlin ankommen. Doch kurzfristig wurde, wegen technischer Probleme, der Flug auf den nächsten Tag verschoben.

Um den Fluggästen einen Tag Wartezeit zu ersparen, wurde das Ehepaar von Mitarbeitern der Fluglinie auf Flüge anderer Flugunternehmen umgebucht: Es verließ Nagoya am Nachmittag, flog mit der A-Fluggesellschaft nach Seoul und von dort aus weiter nach Hongkong. Kurz vor Mitternacht ging es mit der B-Fluggesellschaft von Hongkong nach Paris. Dort stieg das Ehepaar wieder in ein Flugzeug der AF-Fluggesellschaft, das sie nach Berlin brachte. In Berlin landeten die Reisenden am 11. September um 11.50 Uhr.

Sie verlangten von der AF-Fluglinie je 600 Euro Ausgleichszahlung dafür, dass ihr ursprünglich gebuchter Flug abgesagt wurde. Der Flug sei nicht annulliert, sondern verspätet durchgeführt worden, erklärte die Fluggesellschaft. Dafür gebe es keine Entschädigung. Doch vom Amtsgericht Frankfurt wurde das Unternehmen eines Besseren belehrt (30 C 1726/06). Der für den 10. September vorgesehene Flug sei auf den folgenden Tag verlegt worden, so der Amtsrichter. Er sei also ausgefallen. Wenn der Abflug um 22 Stunden verschoben werde, sei das keine Verspätung.

Wegen "Schwierigkeiten mit der Organisation einer neuen Besatzung" habe die Fluglinie die Passagiere des abgesagten Fluges (jedenfalls das Ehepaar) auf andere Luftfahrtunternehmen mit einer anderen Flugroute umgebucht. Die Fluggäste seien am Zielort Berlin 15 Stunden später eingetroffen als geplant. Dafür schulde ihnen das Unternehmen die geforderte Ausgleichszahlung