Viehtrieb hinterlässt Kleieschicht auf der Straße

Frau verunglückt tödlich: Mitverschulden der Autofahrerin oder Alleinschuld des Landwirts?

onlineurteile.de - Ein Bauer trieb abends eine Herde Rinder von der Weide zurück auf seinen Hof. Gut 60 Meter trabten die Tiere an der Kreisstraße entlang. Der Bauer entfernte anschließend Kot und groben Schmutz von der Straße, nicht aber eine Kleieschicht, welche die Rinder in einer Kurve hinterließen. In der Nacht regnete es, die Straße war glatt. Eine Zeitungsausträgerin fuhr sehr früh, noch im Dunkeln, auf der Kreisstraße zur Arbeit. Sie war nicht angeschnallt und fuhr mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h in die Kurve. Auf der Kleieschicht kam ihr Auto ins Schleudern. Es prallte gegen einen Baum, die Frau wurde tödlich verletzt.

Der Landwirt zahlte dem Ehemann der Verunglückten die Hälfte des Fahrzeugschadens. Das war dem Witwer zu wenig, er klagte auf höhere Entschädigung. Das Landgericht gestand ihm nur 279 Euro für die Beerdigungskosten zu, weil es von einem Mitverschulden der Fahrerin am Unfall ausging. Im Dunkeln und in einer engen Kurve hätte sie nicht so schnell fahren dürfen, zumal auf kleinen Straßen auf dem Land schmutzige Fahrbahnen "nicht unüblich" seien. Das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben (VI ZR 146/06).

Dass Schmutz auf Landstraßen häufiger vorkomme, beweise kein Mitverschulden der Autofahrerin zu 50 Prozent, so der BGH. Mit besonderer Rutschgefahr durch eine Kleieschicht müsse niemand rechnen. Das Landgericht habe auch nicht geklärt, ob die glatte Stelle im Scheinwerferlicht überhaupt zu sehen war. Nicht einmal der Straßenverlauf stehe fest. Ein Sachverständiger spreche von "übersichtlicher langgezogener Rechtskurve", im Urteil sei von einer "gefährlichen Linkskurve" die Rede. Warum die Frau in dieser Kurve "deutlich unter 80 km/h" hätte fahren müssen, sei also nicht nachvollziehbar.

Der Landwirt habe die Straße nicht richtig gesäubert und so den Unfall verursacht. Also habe er für den Schaden in ganzer Höhe einzustehen.