Vogelschwarm traf Flugzeug

Ankunft verzögerte sich um mehr als sechs Stunden: Ausgleichszahlung für Fluggast

onlineurteile.de - Das Amtsgericht Erding sprach einem Passagier 400 Euro Ausgleichszahlung von der Fluggesellschaft zu, weil er viel zu spät in München gelandet war (5 C 1059/10). Der Flieger sollte eigentlich am späten Abend, 23.15 Uhr, im Erdinger Moos landen, tatsächlich kam er dort aber erst am nächsten Morgen um 6.30 Uhr an.

Der Grund für die erhebliche Verspätung: Während des vorherigen Flugs war die Maschine mit einem Vogelschwarm kollidiert. Durch die Einschläge war das Flugzeug so stark beschädigt, dass es nicht sofort wieder starten konnte. Mechaniker mussten erst einiges reparieren.

Die Regeln der Europäischen Union für den Flugverkehr sehen vor, dass Passagiere eine Ausgleichszahlung bekommen, wenn ein Flug annulliert wird oder mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden landet. Es sei denn, die Airline kann sich mit "außergewöhnlichen Umständen" entlasten, die es für sie unvermeidlich machten, Kunden so eine Unannehmlichkeit zuzumuten.

Ist ein Vogelschwarm ein "außergewöhnlicher Umstand", den eine Fluggesellschaft nicht verhindern kann? Selbst wenn man diese Frage mit "Ja" beantwortete, so das Amtsgericht Erding, sei damit noch nicht bewiesen, dass die Fluggesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen habe, um die Verspätung zu vermeiden.

Wenn sie das defekte Flugzeug nicht schnell genug reparieren könne, um den nächsten Einsatz zu sicher zu stellen, müsse sie ihre Möglichkeiten prüfen, eine Ersatzmaschine an den Startort zu fliegen. Das sei hier unterblieben. Das Luftfahrtunternehmen habe weder belegt, dass ihm die personellen und materiellen Mittel fehlten, den Flug zum geplanten Zeitpunkt durchzuführen, noch überzeugend erläutert, aus welchen Gründen es unzumutbar gewesen sein könnte, diese Mittel hier einzusetzen.