Volljährige Tochter in Ausbildung

Mutter muss Unterhalt zahlen, auch wenn die Tochter bei Pflegeeltern billig lebt

onlineurteile.de - Die (unehelich geborene) junge Frau war bei Pflegeeltern aufgewachsen. Mit 18 Jahren begann sie eine Ausbildung und wohnte immer noch bei den Pflegeeltern. Von der verheirateten Mutter forderte sie für die Dauer der Ausbildung Unterhalt. Keinen Pfennig werde sie herausrücken, erklärte die Mutter, denn die Tochter erhalte Kost und Logis umsonst.

Dagegen stufte das Amtsgericht den Bedarf der Auszubildenden genauso hoch ein, wie er für ein auswärts studierendes Kind anzusetzen wäre, mit 640 Euro monatlich. Da müsse die Mutter noch etwas zuschießen, so der Amtsrichter. Die Mutter legte Berufung gegen das Urteil ein und scheiterte damit beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf (9 UF 67/06). Die freiwillige Zuwendung der früheren Pflegeeltern ändere an der Zahlungspflicht der Mutter nichts, so das OLG.

Das Entgegenkommen der Pflegeeltern, von der Auszubildenden (noch) kein Kostgeld zu verlangen, solle dem volljährigen Kind zugute kommen und nicht der unterhaltspflichtigen Mutter. Wenn man vom Unterhaltsbedarf (= 640 Euro) die Ausbildungsvergütung und das Kindergeld abziehe, bleibe ein offener Betrag von 195 Euro im ersten Lehrjahr und von 121 Euro im zweiten Lehrjahr.

Diese Beträge könne die Mutter bei ihrem Einkommen von 1.699 Euro netto im Monat leicht aufbringen, trotz ihrer Schulden. Die zählten ohnehin nicht: Das Ehepaar habe einen Kredit von 27.000 Euro für ein neues Auto aufgenommen und einen weiteren Kredit für ein zweites Motorrad. Derartige Luxusaufwendungen müsse die Tochter nicht als Argument gegen ihren Unterhalt gelten lassen.