Vollkaskoversicherer fordert doppelte Selbstbeteiligung

Porsche-Geländewagen blieb im Flussbett hängen — zweiter Schaden bei der Rettung?

onlineurteile.de - Der Geschäftsführer einer GmbH war mit seinem Dienstwagen, einem Porsche Cayenne S, auch im Urlaub in Griechenland unterwegs. Als er mit dem Geländefahrzeug ein Flussbett durchquerte, blieb er in einer Untiefe hängen. Der Wagen bewegte sich nicht mehr.

Erst am nächsten Tag gelang es dem Autofahrer, einen Hilfstrupp des griechischen Automobilclubs aufzutreiben. Bei der Bergung geriet allerdings Wasser in den Motorraum, das sich beim anschließenden Startversuch der Retter in den Brennräumen des Motors verteilte. Das war des Motors Ende.

Nach dem Urlaub hielt die Pechsträhne an: Die Vollkaskoversicherung bestritt den vom Porschefahrer angegebenen Umfang des Schadens. Außerdem wollte sie die vereinbarte Selbstbeteiligung von 1.000 Euro gleich zwei Mal von der Schadenssumme abziehen. Begründung: Die Schäden am Unterboden seien bereits beim Hineinfahren ins Gewässer entstanden. Da sei der Wagen gegen Steine im Flussbett geprallt. Der Motor dagegen sei erst beim Abschleppen beschädigt worden.

Trotzdem gehe es hier nicht um zwei Schadensfälle, urteilte das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (I-20 U 151/11). Die Vollkaskoversicherung müsse den Unfallschaden von rund 28.000 Euro ersetzen und dürfe die Selbstbeteiligung nur ein Mal abziehen: Wenn ein versicherter Unfall zu einem weiteren versicherten Schaden führe, sei der Gesamtvorgang als ein Schaden anzusehen. So lägen die Dinge hier.

Dabei räumte das OLG durchaus ein, dass der Unterbodenbereich des Geländefahrzeugs schon beschädigt wurde, als der Porsche beim Durchqueren des Flussbetts auf Felsbrocken und Steine stieß. Beim Abschleppen seien durch die felsigen Hindernisse im Wasser dann weitere Schäden entstanden.

Weil das Abschleppen eine direkte Folge des Unfalls sei, müsse man diese Vorgänge dennoch als einheitliches "Schadensereignis" ansehen: den Aufprall auf Felsen beim Hineinfahren und den Aufprall auf Felsen bei der Bergung. Dass zwischen dem Hineinfahren ins Gewässer und der Bergung ein ganzer Tag vergangen sei, hebe den engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang der Ereignisse nicht auf.