Vom Hotel ins Teppichknüpfzentrum

"Kaffeefahrt" in der Türkei - Widerruf des Kaufvertrags in Deutschland

onlineurteile.de - Die spottbillige Pauschalreise in die Türkei war schon gut eingefädelt: Das gebuchte Hotel lag in der Pampa und war samt Schwimmbad tagsüber geschlossen. Da bot es sich für die Urlauber natürlich an, an einem Tagesausflug per Bus mit Bildungs-, Unterhaltungs- und Erholungsangebot teilzunehmen. Ein Teppichknüpfzentrum wurde besucht, die Besichtigung samt Imbiss endete im Teppichladen. Dort ließ sich eine Urlauberin dazu hinreißen, für 58.000 Euro zwei Teppiche zu kaufen.

Zuhause kamen ihr Zweifel, ob deren Wert dem Kaufpreis entsprach. Nachdem zwei Sachverständige den Wert der Teppiche auf insgesamt 12.500 bzw. 7.000 Euro geschätzt hatten, widerrief die Frau den Kaufvertrag. Zu Recht, wie das Landgericht Tübingen entschied (5 O 45/03). Hier sei deutsches Recht anzuwenden, weil zwischen Reiseveranstalter und Teppichfirma enge Geschäftsbeziehungen bis hin zu Gewinnabsprachen bestanden; die Verkaufsveranstaltung sei Bestandteil einer von Deutschland aus gebuchten Pauschalreise.

Die Reisen würden von der Teppichfirma gesponsert, der Besuch des Teppichknüpfzentrums werde von ihr mitorganisiert und mit Busunternehmer und Reiseführer abgesprochen. Durch die Wahl eines abgelegenen Hotels, in dem man sich tagsüber nicht aufhalten könne, stellten die Beteiligten planmäßig eine Situation her, in der sich kein Urlauber der "Kaffeefahrt" entziehe. Die Teppichkäuferin dürfe vom Kauf zurücktreten, weil hier ein angebliches Freizeitangebot benutzt werde, um Urlauber in Ferienlaune zu überteuertem Einkauf zu animieren.